Hattingen/Sprockhövel – In den sechs Kirchengemeinden in Sprockhövel und Hattingen ist Frank Bottenberg als Pfarrer viel herumgekommen. Da passte es gut, dass er deren Vereinigungsfest zur neuen Gemeinde Hattingen-Sprockhövel am 11. Januar noch mitgestalten konnte, bevor er am Freitag, 23. Januar 2026 um 18 Uhr in einem Gottesdienst von Superintendentin Julia Holtz entpflichtet wird.
Auf den kleinen roten Fiat und die alte Vespa angesprochen, mit denen der 66-Jährige seine Dienstfahrten im Hügelland erledigt, ruft „Botti“ aus: „Italien ist geil! Mit 16 hab ich auf einer Jugendfreizeit Ligurien kennengelernt. Kürzlich hatten wir ein Nachtreffen – war klasse!“ Das war in seiner Siegerländer Heimat, die ihm als Jugendlichem in theologischen Dingen oft eng vorkam. „Als ich zum Studium nach Wuppertal gegangen bin, habe ich eine ganz andere Weite im theologischen Denken kennengelernt. Das war eine Befreiung. Hinzu kam der ökumenische Austausch, den wir in diesen Jahren mit einigen Siegerländern nach Tansania hatten. Zu entdecken, dass es auch im Glauben mehr gibt als das, was du immer schon kennst – das hat mich geprägt.“

So kennt man ihn: Frank Bottenberg mit seinem roten Fiat 500 (Foto: hmj)
Nach weiterem Studium in Göttingen, Münster und am Ende wieder Wuppertal schloss sich ein Gast-Vikariat im Rheinland an. Mit der gewissen Enge seines damaligen Mentors, z.B. in liturgischen Dingen, hatte Bottenberg zu kämpfen. Da war die Studienfahrt nach Rom mit dem Predigerseminar eine gute Abwechslung. „Während die Mit-Vikare einen vollen Museumstag durchzogen, mietete ich zusammen mit Carola mitten in Rom eine Vespa und wir landeten nach ein paar Mal Abwürgen ausgerechnet vorm Colosseum in den Albaner Berge und später am Meer. War super!“
Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit
Nach dem zweiten Examen musste es in die westfälische Landeskirche zurückgehen. „Ich habe die nächstliegenden Kirchenkreise abtelefoniert und hatte das Glück, dass der damalige Superintendent Vosswinkel mir anbot, für den „Hilfsdienst“ in seine alte Gemeinde nach Bredenscheid-Stüter zu kommen, wo ich 1990 auch von ihm ordiniert worden bin. Hier erlebte ich wieder Freiheit und Weite. Und die direkte Ruhrpott-Art: Im Denken, im Reden. Und in der Art, Kirche zu gestalten. Für die Menschen und nah bei den Menschen.“ Viel Kinder- und Jugendarbeit konnte er dort machen und wurde schließlich auch Jugendpfarrer für den Kirchenkreis. 1993 Einführung in seine erste Pfarrstelle in Obersprockhövel. „In den Jahren war ich ganz oft im Urlaub in Italien. Da hab ich mir jedesmal auch einen Roller ausgeliehen.“
„Die Konfiarbeit war damals im Umbruch, weg von dem starren Unterrichtsgeschehen, das bis dahin üblich war. Ich hab viel mit Hans Werner Ludwig zusammengearbeitet, dem leitenden Jugendreferenten des Kirchenkreises. Chor & Quer und die Anfänge der Creativen Kirche.“ Das Konzept der Segelfreizeit als Teil des Konfiunterrichts ist damals entstanden. „Wir holten Teamer in die Gruppen. Von den Konfis wollte oft ein Drittel dabei mitmachen. Es ist vermutlich bis heute die erfolgreichste Arbeit, die Kirche macht! Ihre Konfi-Zeit haben die Jugendlichen dieser Jahrgänge fast ausnahmslos gut in Erinnerung. Diese und andere Aufbrüche in den späten Neunzigern haben auch uns viel Spaß gemacht. Und wir hatten Zeit dafür. “
„Gott ist größer und weiter“
Es gab die Kirchenkreis-Partnerschaft mit West-Papua, zu der Jugendbegegnungen gehörten. „Gemeinsam mit Ingo Neserke und acht jungen Menschen haben wir in Papua Zäune repariert und am Pazifikufer ein Musical eingeübt, mit dem wir dann die Küste rauf und runter auf Tournee durch die dortigen Gemeinden gegangen sind. Beim Gegenbesuch haben wir mitten in der Wittener Innenstadt ein Papua-Haus gebaut.“
Die Dinge anders als gewohnt anzugehen, ist Bottenbergs Spezialität. „Es waren die Jahre, wo wir merkten, man kann nicht alle Menschen mit demselben Gottesdienstkonzept erreichen, so wie ja auch der WDR mit unterschiedlichen Senderformaten Leute anspricht. So ist „Mittendrin“ in Sprockhövel entstanden: „Gottesdienste für „WDR2-Menschen“ – musikalisch wie auch in der Art der „Moderation“. Es entwickelte sich immer etwas, wenn wir uns darauf eingelassen haben, die Menschen da abzuholen, wo sie sind. Kirche muss sich rauswagen aus dem, was schon immer so war. Gott ist größer und weiter.“
Solche Experimente gingen weiter, auch nachdem Bottenberg 2006 von Sprockhövel nach St. Georg in Hattingen gewechselt hatte. Da waren es dann große Tauffeste draußen an der Ruhr, Kreuz-Wege durch die ganze Stadt mit dem orangenen Vockert-Kreuz oder später, in den Coronajahren, die Anfänge der Pilger-Kirche oder von FREI.TAG mit viel Musik im Stil von mtv-unplugged und kurzen Wortbeiträgen.
Mitten im Leben
„Kirche muss mitten im Leben stattfinden, bei den Menschen, bei ihren Sorgen und ihren Fragen. Wenn wir uns darauf einlassen, verstehen wir auch selber neu und konkret, was Gott uns zu sagen hat und wo anzupacken wir herausgefordert sind“, so Bottenberg.
Und jetzt? Alles vorbei? „Ich werde die aktuelle Konfigruppe noch zuende begleiten. Ansonsten mach ich jetzt Pause! Priorität hat jetzt die Familie mit Frau, Kindern und Enkelkindern. Ich freu mich auf Sport und darauf, ein bisschen mehr Herr über meine Zeit zu sein. Das neue Pfarrteam wird jetzt entscheiden, wie es in der Gemeinde weitergeht. Ich werd‘ da nicht überall „hier!“ schreien.“ Und er wird seinen Sohn besuchen, der gerade auf Bali ist. Da kann man auch Roller mieten.
Die Verabschiedung von Frank Bottenberg aus dem Pfarrdienst findet am Freitag, 23. Januar 2026 um 18 Uhr in der St. Georgs-Kirche in Hattingen statt.






























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