50 Mal frei.tag – gemeinsam anlehnen ans Wochenende

frei.tag (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
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Hattingen – Eigentlich sollte es nur 45 Minuten dauern. Eigentlich. Bei der 50. Ausgabe von „frei.tag – Gemeinsam anlehnen ans Wochenende“ in Holthausen funktionierte das ungefähr so zuverlässig wie ein Fahrplan der Deutschen Bahn. Fast pünktlich angefangen und am Ende ordentlich überzogen. Gestört hat das niemanden. Schließlich ist Freitag – und genau darum geht es.

Einmal im Monat wird hier nicht hektisch vom Arbeitstag ins Wochenende gestolpert. Man kommt an, setzt sich, hört Musik, lässt die vergangene Woche noch einmal durch den Kopf gehen und fährt langsam herunter.

Entstanden ist das Format zu Coronazeiten. Damals waren Kirchen geschlossen, Begegnungen kaum möglich und vieles, was selbstverständlich gewesen war, plötzlich nicht mehr da. Aus dieser Zeit ist etwas geblieben. Am Freitag fand „frei.tag“ bereits zum 50. Mal statt.

50 Ausgaben sind für ein Format, das einmal unter völlig anderen Voraussetzungen entstanden ist, schon eine Ansage.

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Ein Musiker, der etwas zu erzählen hat

Für die Musik sorgte diesmal George Major. Ihn einfach nur als Musiker anzukündigen, wäre allerdings etwas knapp bemessen.

Major begann als Posaunist bei den Royal Scots Dragoon Guards, studierte Gesang in Amsterdam, stand bei „Starlight Express“ auf der Bühne und tourte mit der Starlight-Band durch Europa. Ein Vollblutmusiker also, der nicht einfach ein paar Stücke spielt, sondern zu seiner Musik auch Geschichten mitbringt.

Manchmal waren seine Ankündigungen gefühlt beinahe länger als die Songs selbst. Das ist natürlich etwas übertrieben – aber es passte wunderbar zu diesem Nachmittag. Denn niemand war gekommen, um möglichst schnell ein Programm abzuhaken.

Major nahm sich Zeit. Und das Publikum auch.

frei.tag (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)

Einmal kurz den Reset-Knopf drücken

Pfarrer Frank Bottenberg erinnerte daran, dass die Zahl 50 sogar ziemlich gut zu diesem Jubiläum passt. In der Bibel folgt auf sieben mal sieben Jahre das 50. Jahr – das sogenannte Jubeljahr.

Die dahinterstehende Idee war erstaunlich radikal: Schulden sollten erlassen, Abhängigkeiten beendet und Besitzverhältnisse wieder zurechtgerückt werden. Ein gesellschaftlicher Reset, damit Menschen noch einmal eine Chance bekommen.

Bottenberg schlug von dort den Bogen in die Gegenwart und zum frei.tag. Denn manchmal braucht es diesen Reset auch eine Nummer kleiner und ganz persönlich.

Wo stehe ich eigentlich gerade? Was ist in der vergangenen Woche passiert? Was hat mich gefreut, was hat mich geärgert? Was liegt vor mir – und was davon darf beim nächsten Mal vielleicht anders laufen?

„Ich bin hier. Ich habe Zeit.“

Dieser Satz aus dem gemeinsamen Gebet beschreibt den frei.tag vielleicht besser als jede lange Erklärung.

Den Boden unter den Füßen spüren. Atmen. Zurückblicken. Nach vorne schauen.

Anlegen statt weiterfahren

Und dann gibt es noch dieses schöne Bild vom „Anlehnen ans Wochenende“.

Eigentlich könnte man auch „Anlegen“ sagen.

Wie ein Boot, das nach einer Fahrt in den Hafen kommt. Motor aus, Leinen fest und erst einmal ankommen. Vielleicht noch etwas trinken, etwas essen und mit den Menschen am Nachbartisch reden.

Genau das gehört ebenfalls zum frei.tag. Nach Musik, Gebet und Gedanken ist nicht einfach Schluss. Man bleibt noch sitzen, spricht miteinander und erfährt vielleicht, wie es dem anderen gerade geht. Zur 50. Ausgabe gab es dazu nicht nur etwas zu trinken, sondern auch eine Kleinigkeit zu essen.

Das Wetter spielte diesmal übrigens keine große Rolle. In den vergangenen Jahren musste die Veranstaltung ohnehin immer wieder nach drinnen ausweichen. Zur Jubiläumsausgabe entschied man sich gleich für die sichere Variante.

Vielleicht ist auch das inzwischen Teil des Erfolgsrezeptes: Der frei.tag braucht keine große Bühne und kein perfektes Wetter.

Er braucht Menschen, die sich diese Zeit nehmen.

Und wenn aus geplanten 45 Minuten ein bisschen mehr wird?

Dann ist das eben so.

Das Wochenende hat schließlich gerade erst angefangen.

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