Heute war wieder so ein Tag. Ich wollte einfach nur tanken. Kein Roadtrip, kein Abenteuer – nur Arbeit, Alltag, Pflicht. Und dann: Diesel 2,14 Euro, 2,05 Euro für Super E10. Über 2,20 Euro für Super. Ultimate fast 2,50 Euro, selbst Erdgas ist selten unter 1,50 Euro. Da ist’s vorbei mit der Liebe zum Auto – da hilft auch kein Duftbäumchen mehr.
Und ja, ich weiß, was jetzt kommt: „Fahr doch Fahrrad!“ Oder: „Hol dir ein Elektroauto!“ Klar. Weil ja in jeder Kleinstadt und jedem Dorf im Ennepe-Ruhr-Kreis die 300 Ladestationen und perfekten Radwege bereitstehen. Natürlich. Wenn jemand morgens 25 Kilometer über Land zur Arbeit strampelt, ist ein ungeübter Radfahrer spätestens in der Frühstückspause bereit für den Rentenantrag.
Wir haben ja Ölreserven
Jetzt geht die Bundesregierung an ihre Ölreserven, um die Preise ein bisschen zu drücken. Das ist nett gemeint, wirkt aber eher wie ein Pflaster auf einem offenen Beinbruch. Bei der aktuellen Lage bräuchte es eine Operation – aber wir bekommen nur ein Trostpflaster und ein freundliches „Bitte weiterfahren!“.
Auf die eigentlich naheliegende Idee, die Steuern auf Sprit zu senken – die je nach Sorte über die Hälfte des Preises ausmachen – kommt in Berlin natürlich niemand. Warum auch? Ist ja ein Geldstrom, der zuverlässig sprudelt. Während an der Zapfsäule die Tränen in die Augen schießen, freuen sich Finanzministerien und Haushaltsausschüsse über jeden zusätzlichen Cent Mehrwertsteuer. Und ganz zufällig wurden ja auch gerade erst wieder die Diäten der Abgeordneten erhöht – natürlich automatisch, versteht sich.
Spritpreis-Reform eine tolle Idee?
Na klar, die große Spritpreis-Reform-Idee: Zu unserem Schutz darf der Preis jetzt nur noch einmal am Tag rauf – Abzocke, aber mit Öffnungszeiten. Immerhin, der Knebelvertrag fürs Portemonnaie gilt jetzt tageweise. Runter mit dem Preis geht natürlich immer. Also theoretisch. Wenn zufällig Weihnachten, Bundestagswahl und Weltfrieden auf denselben Tag fallen. Österreich macht das schon länger, dort nennt man das „Verbraucherschutz“, bei uns klingt es eher nach: „Wir tun was, damit ihr euch beim Zahlen wenigstens pünktlich ärgert.“
Ganz ehrlich?
Was mich bei all dem Sprit-Wahnsinn aber wirklich wundert: Die Tankstellen sind trotzdem voll. Reihenweise Leute, die schimpfen, fluchen, stöhnen – und dann brav ihre 120 Euro hinlegen. Quittung einstecken, Nadel auf „voll“, Motor an, weiterfahren. So ändern wir natürlich gar nichts.
Wir Deutschen sind anscheinend Weltmeister im Meckern, aber nicht im Handeln. In Frankreich hätten sie längst die Autobahnen blockiert. Wir dagegen? Wir schreiben einen wütenden Facebook-Kommentar, machen ein empörtes Selfie an der Zapfsäule – und rollen dann leise nach Hause.
Vielleicht sollten wir mal kurz anhalten. Nicht nur an der Tankstelle, sondern im Kopf.




























Steigen der Spritpreise, verdient der Staat automatisch mehr. Eigentlich ein Grund zur Freude! Statt zu meckern könnten wir doch einfach applaudieren.
Und das Beste, auf die Energiesteuern wird auch noch Mehrwertsteuer erhoben. Steuer auf Steuer – ein echtes Highlight unseres Steuersystems.
Wo sind eigentlich die Bauern mit ihren Traktoren, wie bei der Mezr-Revolution? Wäre doch mal was gegen die Mineralölkonzerne zu protestieren statt gegen die Grünen?