Melanie Witte-Lonsing ist 100 Tage im Amt. In dieser Zeit hat sie vieles richtig und gut gemacht. Ein Kommentar von Frank Strohdiek.
Melanie Witte-Lonsing hat die ersten 100 Tage im Amt hinter sich. Das ist gemeinhin die Frist, die Menschen eingeräumt wird, um sich einzuarbeiten. Die SPD-Frau hatte in einer knappen Stichwahlentscheidung das Amt gegen ihren damals noch parteilosen Konkurrenten gewonnen. Seitdem hat sie sich, schon vor ihrem offiziellen Amtsantritt, in die verschiedenen Themen der Verwaltung eingearbeitet. Vieles davon fällt in die Rubrik „unsexy mit wenig Außenwirkung“. Es betrifft die Arbeitsabläufe innerhalb der Verwaltung. Die Veränderungen bekommen Bürgerinnen und Bürger nicht unbedingt sofort mit, sie sind trotzdem wichtig. Nach allem was aus Gesprächen mit Verwaltungsmitarbeitenden zu hören ist, macht Witte-Lonsing vieles richtig. Sie schafft es offenbar intern den passenden Ton zu finden und die (meisten) Beschäftigten der Stadt mitzunehmen.
Sichtbar für die Bürgerinnen und Bürger ist die viel und zurecht kritisierte Situation an den Containerstandorten. Hier hat die Bürgermeisterin erkennbare Verbesserungen herbeigeführt. Das einige Umweltferkel weiterhin schneller für Verschmutzungen sorgen, als städtische Angestellte sie beseitigen können, bleibt ärgerlich. Trotzdem: Der Weg ist richtig. Die nächsten Verbesserungen sind in Vorbereitung. Auch das zeichnet die Bürgermeisterin aus, zielstrebig eins nach dem anderen abarbeiten und auf den Weg bringen, ohne die Kapazitäten der Verwaltung zu überfordern.
Auffallend ist ebenfalls, dass Melanie Witte-Lonsing auch nach dem Wahlkampf ansprechbar und sichtbar bleibt. Sie geht weiterhin zu Vereinen und Initiativen. Sie ist so bürgernah, wie sie es schon im Wahlkampf mit ihrer „1000 Stunden“-Kampagne zeigte. Bei diesen Gelegenheiten, die sie im Gegensatz zu anderen bewusst nicht medial platziert, kann man sie nicht nur ansprechen, sie will ins Gespräch kommen. Das ist Garant dafür, dass sie aus erster Hand erfährt, wo es in der Stadt möglicherweise nicht so läuft, wie es gewünscht ist.
Schwierig ist allerdings die Tatsache, dass einige Ratsmitglieder offenbar den Wahlkampfmodus immer noch nicht abgelegt haben. In den Ratssitzungen entsteht häufig der Eindruck, dass es weniger konstruktiv zugeht als in zurückliegenden Ratsperioden. Vor allem bei langjährigen Ratsmitgliedern ist das auffallend. Natürlich erwartet niemand, dass kritiklos jede Idee der Verwaltung abgenickt wird, aber eine konstruktivere, lösungsorientierte Arbeit etablierter Ratsmitglieder ist im Sinne der Stadt und seiner Bürgerinnen und Bürger. Immerhin sind es bis zur nächsten Wahl noch knapp fünf Jahre. Wenn davon die kommenden dreieinhalb ohne (pseudo-) Wahlkampfgetöse über die Bühne gingen, wäre allen Demokraten gedient.
Melanie Witte-Lonsing hat sich nach 100 Tagen jedenfalls gut aufgestellt. Erste Duftmarken sind gesetzt. Ab jetzt ist die Schonfrist vorbei, nun muss sie als Verwaltungschefin liefern. Sie ist dabei auf einem guten Weg, die Richtung ihrer Arbeit ist erkennbar. Das ist deutlich mehr, als die üblichen Krakeeler in sozialen Medien es wahrhaben möchten.






























Gerade erfahrene Ratsmitglieder sollten wissen, dass Kommunalpolitik von Sacharbeit lebt, nicht von Daueropposition und zugespitzten Wortbeiträgen. Kritik ist notwendig, aber sie verliert ihren Wert, wenn sie nicht konstruktiv gemeint ist.
Für Demokratie, Glück auf