Der Kommentar: Zwischen Entenbraten, 34 Grad und der magischen Zahl fünf

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Ein persönlicher Kommentar von Claus J. Barteczko zum diesjährigen Kulinarischen Altstadtmarkt (KAM) – getragen von der Überzeugung, dass konstruktive Kritik nicht nur erlaubt, sondern notwendig ist.

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Ja, der Kulinarische Altstadtmarkt in Hattingen war ein Erfolg. Punkt. Volle Gassen, laufende Zapfhähne, klingelnde Kassen. Für Gastronomie, Veranstalter und Besucher lief es wie am Schnürchen. Genau so, wie man es sich wünscht.

Nur: Erfolg für die einen bedeutet eben Ausnahmezustand für die anderen.

Fünf Tage am Stück – warum eigentlich? Wer hat entschieden, dass die Belastungsgrenze der Anwohner exakt bei dieser Zahl liegt? Kaum ist das Altstadtfest verklungen, wird direkt das nächste hinterhergeschoben. Erholung? Fehlanzeige. Rücksicht? Offensichtlich kein relevanter Faktor in der Planung.

Und selbst diese fünf Tage hören faktisch nicht einmal dann auf, wenn sie laut Programm enden sollen. Offiziell ist um 22 Uhr Schluss. In der Realität beginnt dann erst das große Nachspiel: Abbau, Restgäste, die „noch schnell bleiben“, Mitarbeiterrunden mit entsprechender Geräuschkulisse – und das Ganze zieht sich regelmäßig bis Mitternacht. Was als Veranstaltung bis 22 Uhr verkauft wird, ist de facto eine bis 24 Uhr. Die Frage drängt sich auf: Wo bleibt hier der Respekt vor der Nachtruhe?

Stattdessen gibt es fünf Tage Dauerbeschallung, Dauerbetrieb – und im schlimmsten Fall Dauergeruch. Wenn ein Entenbratstand bei über 30 Grad direkt vor Wohnhäusern steht und ununterbrochen Fett und Hitze in Richtung Fenster bläst, dann hat das nichts mehr mit „kulinarischem Erlebnis“ zu tun. Dann ist das schlicht eine Zumutung. Wohnungen werden unfreiwillig zur Außenstelle eines Imbisses, Bettwäsche und Kleidung konservieren den Geruch gleich mit. Fenster bleiben zu, die Terrasse ist praktisch unbenutzbar – mitten im Hochsommer.

Ohne Worte (Foto: RuhrkanalNEWS)

Und als wäre das nicht genug, wird der ohnehin knappe Raum der Altstadt bis zum letzten Zentimeter kommerzialisiert. Tische und Bänke stehen so dicht, dass selbst gesunde Menschen Mühe haben, durchzukommen. Für Rollstuhlfahrer ist vielerorts schlicht Schluss. Fluchtwege? Angeblich geregelt, praktisch ignoriert. Was auf dem Papier gilt, zählt offenbar nicht mehr, sobald das erste Bier gezapft ist.

Kontrollen? Kaum wahrnehmbar. Absprachen? Offenbar optional. Hauptsache, der Betrieb läuft.

Besonders unerquicklich wird es, wenn Anwohner im eigenen Viertel wie Störfaktoren behandelt werden. Wer versucht, Einkäufe zu erledigen oder wenigstens Getränke vor die Tür zu bringen, wird nicht selten angegangen – von genau dem Personal, das hier eigentlich Dienstleister sein sollte. Der unterschwellige Tenor: Ihr seid hier gerade im Weg.

(Foto: RuhrkanalNEWS)

Gleichzeitig werden die wenigen verbliebenen Parkmöglichkeiten schamlos zweckentfremdet. Mitarbeiterfahrzeuge, Lieferwagen, blockierte Behindertenparkplätze – alles dabei. Ein funktionierendes Konzept ist nicht erkennbar, eher ein Prinzip: nehmen, was geht.

Und genau das scheint das eigentliche Problem zu sein. Es wird genommen, was geht – an Fläche, an Zeit, an Belastung. Solange Umsatz und Besucherzahlen stimmen, spielt es offenbar keine Rolle, wie sehr die Menschen vor Ort darunter leiden.

Man kann Feste feiern. Man sollte es sogar. Aber wer dabei das Miteinander so konsequent ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn aus Begeisterung irgendwann blanke Ablehnung wird.

Am Ende bleibt ein bitterer Befund: Der KAM funktioniert hervorragend – solange man nicht dort wohnt.

Zum Beitrag: KAM brachte Hattingens Zentrum erneut zum Genießen

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1 Kommentar zu "Der Kommentar: Zwischen Entenbraten, 34 Grad und der magischen Zahl fünf"

  1. immanuel kant | 21. Juni 2026 um 16:44 | Antworten

    Dem Kommentar des Anwohners ist voll zuzustimmen. Das Ordnungsamt bspw. scheint am KAM nicht präsent zu sein, um die Öffentliche Sicherheit und Ordnung (besonders nach 22 Uhr) durchzusetzen? Vielleicht sollte die BM einmal dann auch vor Ort sein und nicht nur werbend beim Fußballspiel auf dem Untermarkt!

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