„ZEIT-FENSTER“ ZEIGT VÖLKISCHE HETZKAMPAGNE

V.l.n.r. Thomas Weiß (Stadtarchiv Hattingen), Veysel Hezer (Gesamtschule Hattingen), Luiza Lehrke (Schülerin Gesamtschule Hattingen), Timo Nahler (Villa ten Hompel, Münster (Foto: Stadt Hattingen)

Hattingen- Seit dem 10. November 2020 ist in der Hattinger Altstadt am Haus Emschestraße 54 eine historische Schaufensterinstallation zu sehen. Sie informiert im Rahmen der Gedenkwoche „Hattingen hat Haltung“ wie der jüdische Kaufmann und ehrenamtliche Stadtverordnete Josef Urias im Oktober 1923 zum Opfer einer völkischen Hetzkampagne wird.

Aufgeheizt durch gezielte Falschinformationen des Hüttendirektors Ernst Arnold in der Stadtverordnetenversammlung und Lokalpresse, gipfeln die Diffamierungen in der gewaltsamen Plünderung des Kaufhauses Urias. Erschüttert von den Übergriffen legt Josef Urias umgehend seine öffentlichen Ämter nieder und verlässt mit seiner Familie die Stadt.

Das „Zeit-Fenster“ ist Teil des Bildungs- und Ausstellungsprojekts „Demokratie als Feind – das völkische Westfalen“, das der Förderverein des Geschichtsortes Villa ten Hompel in Münster gemeinsam mit lokalen Kooperationspartnern an insgesamt neun Standorten in Westfalen durchführt. Die Hattinger Schaufensterinstallation entstand in Zusammenarbeit der Gesamtschule Hattingen mit dem Stadtarchiv. Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Geschichte begaben sich mit ihrem Lehrer Veysel Hezer auf die Spurensuche ins Hattingen der 1920er-Jahre, sichteten eine große Anzahl historischer Quellen, erforschten die Hintergründe der Tumulte und stießen zudem auf überraschende aktuelle Bezüge: gezielte Falschinformationen und angeblicher „Klüngel“ damals, Fake-News und Verschwörungstheorien heute.

Anhand historischer Text- und Bildquellen sowie eigens verfasster Artikel und Kommentare präsentieren die Schülerinnen und Schüler im Hattinger Lokalteil des „Westfälischen Boten“ ihre Forschungsergebnisse. Diese nach dem Vorbild der 1920er-Jahre gestaltete Zeitung ist kostenlos im Rathaus, Bürgerbüro, Stadtarchiv sowie in der Stadtbibliothek erhältlich.

Das Projekt „Demokratie als Feind – das völkische Westfalen“ veranschaulicht anhand ausgewählter historischer Ereignisse exemplarisch die Mechanismen, Aktionsformen und sozialen Praktiken, mit denen rechte und völkisch-nationalistische Akteure zur Zeit der Weimarer Republik die Demokratie in Westfalen systematisch bekämpften. Das Bildungs- und Ausstellungsprojekt „Demokratie als Feind – das völkische Westfalen“ wird gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und der LWL-Kulturstiftung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe.

Das Schaufenster in der Emschestraße 54 wurde zur Verfügung gestellt von der Familie Wieschermann und Stalter Immobilien.

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