VON DER KUNST, KUNST ZU SCHENKEN

"DISLIKE" von Stephan Marienfeld am Bügeleisenhaus (Foto: RuhrkanalNEWS)

Nach drei Jahren wurde jetzt das DISLIKE am Museum Bügeleisenhaus abgenommen.

Hattingen- Aufgehängt wurde das Kunstwerk des Hattinger Künstlers Stephan Marienfeld am Haldenplatz 1 zur Fachwerk-Sonderausstellung des Heimatvereins Hattingen/Ruhr im Frühjahr 2016. Die Idee dahinter: den Hattingern und allen Gästen der Hansestadt einen Anlass geben, Fachwerkhäuser wieder bewusst wahrzunehmen. Nachdem die Kunst im öffentlichen Raum zwei Jahre in Verlängerung ging, war jetzt Zapfenstreich für das Wahrzeichen am Wahrzeichen. Der Löschzug Nord der Hattinger Feuerwehr brachte den Künstler im Rahmen einer Übung ganz nach oben. Zwei DISLIKES von Stephan Marienfeld befinden sich in Hattingen in den Räumen der Volksbank und bei den Hattinger Wohnstätten (hwg). Zwei weitere DISLIKES werden seit April auf der Biennale in Venedig gezeigt, dort hängen sie im Eingangsbereich eines alten Palazzo.

Demontage des „DISLIKE“. NO COMMENT Filmbeitrag RuhrkanalNEWS

Nun könnte man das Abhängen des Kunstwerkes eines international bedeutenden Hattinger Künstlers einfach bedauernd zur Kenntnis nehmen. Alles hat schließlich seine Zeit. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn Stephan Marienfeld wollte und will der Stadt Hattingen sein Kunstwerk am Bügeleisenhaus schenken. Doch es ist scheinbar eine Kunst, Kunst zu schenken. Marienfeld möchte lediglich für das geschenkte Kunstwerk eine Schenkungsurkunde haben, quasi eine offizielle Übergabe um auch die Besitzverhältnisse dadurch geklärt zu wissen.

Versicherungstechnische Besitzgründe

Also wurden Gespräche geführt – mit der Stadtspitze, mit dem Kunstverein. Doch (bisher) ohne Erfolg. Beide üben sich – sagen wir so – in Zurückhaltung. Jetzt ist aus versicherungstechnischen Gründen und völlig verständlich Schluss mit lustig und das DISLIKE muss weichen.

Stefan Marienfeld bei der Demontage (Foto: Dr. Anja Pielorz)

Dabei hat Kunst im öffentlichen Raum in Hattingen Tradition. Viele Jahre bestimmte die Debatte um die Stadttore die Diskussion. Die künstlerisch nachgebildeten Tore wurden nach einem Wettbewerb der Stiftung für Kunst, Kultur und Denkmalpflege der Sparkasse Hattingen 1999 in Angriff genommen. 2015 wurde das letzte der fünf Stadttore, das Weiltor, aufgestellt – sie polarisieren bis heute. Auch der Treidelbrunnen am Obermarkt ist und war ein polarisierendes Kunstobjekt im öffentlichen Raum. Der ein oder andere mag sich an die legendäre Sitzung des Kulturausschusses im Februar 1988 erinnern, als es um den 400.000 DM teuren Brunnen ging, ein Geschenk der Sparkasse Hattingen anlässlich ihres 150. Geburtstages. Der Hattinger Kunstprofessor Bernhard Matthes sprach dem „Brünnlein“ jeden künstlerischen Wert ab und hielt es für Disneyland in Hattingen.

Kunst im öffentlichen Raum

Auch das DISLIKE wurde polarisierend wahrgenommen. Passt ja zum Objekt und zum Namen. Zwangsgebunden an ein Objekt, an dem es nicht sein möchte, sich reibend in der Wahrnehmung und in der Namensfindung eben das gewollte Gegenteil von den in der digitalen Welt üblichen LIKES. Spannende Diskussionen gab es dazu auch bei Hattingen Marketing, wenn wieder einmal Gäste darüber diskutierten, ob das DISLIKE nicht irgendetwas mit der „schwarzen Bohne“ aus Leipzig zu tun hätte – gemeint ist die Schwarze Kaffeebohne, steht doch Leipzig in einer langen Tradition zu dem schwarzen Heißgetränk, seinen Kaffeehäusern und Musikern. Kunst und Kontroverse haben eben nicht nur einen gemeinsamen Anfangsbuchstaben.

Der Deutsche Städtetag hat in seiner Handreichung zu „Kunst im öffentlichen Raum“ 2013 deutlich gemacht: „Kunst im öffentlichen Raum ist seit Jahrhunderten ein fester und herausragender Bestandteil von Stadtkultur. Sie gehört nicht nur zu den ältesten aller Künste, sondern ist auch die öffentlichste unter den Künsten. Sie trägt in besonderer Weise zur Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt bei. Nicht selten stehen bedeutende Werke symbolisch für die ganze Stadt und können wirkungsvoll für die touristische Stadtwerbung genutzt werden.“

Ein DISLIKE ist ein Objekt was eigentlich nicht dort sein möchte. Im wahrsten Sinn des Wortes wurde dies nun umgesetzt. (Foto: Dr. Anja Pielorz)

Das ein Künstler seiner Stadt ein Kunstgeschenk machen will, kommt öfter vor. In Marl beispielsweise ist es ein Freundeskreis, der das Skulpturenmuseum Glaskasten seit 1993 unterstützt und zu einer der schönsten Kunstsammlungen Deutschlands entwickelte. In Kaarst ist es die Sparkassenstiftung, die der Stadt ein Kunstwerk schenkte – eine Spirale, die Europa symbolisiert. Gerhard Richter schenkte der Stadt Münster ein Foucaultsches Pendel – seine Werke erzielen mittlerweile zweistellige Millionensummen. Der Künstler machte sein Werk zum Geschenk – im städtischen Haushalt wurde 2018 die Installation der 35 Kilogramm schweren routierenden Messingkugel über einer Natursteinplatte mit 650.000 Euro eingestellt.

Kunst verschenken – Ein heikles Thema

Doch halt, bevor der ein oder andere Leser Schnappatmung bekommt: Um solche Summen geht es hier gar nicht – noch nicht einmal im Ansatz. Aber es geht um die Frage, ob es nicht eine Lösung geben MUSS, damit es in Hattingen keine Kunst ist, Kunst zu verschenken. Ist es doch ein Armutszeugnis für eine Stadt, jene Kunst eines international bekannten Hattinger Künstlers abzuhängen, die auf der Biennale – und nicht nur dort – wertgeschätzt wird. Da bekommt das DISLIKE eine wörtliche Interpretation. Schon zu Zeiten von Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch war das Stadtoberhaupt für Kultur zuständig – jetzt ist es Bürgermeister Dirk Glaser. Und von ihm wünscht man sich deutlichen kreativen Input und erfolgreiche Gespräche mit Stiftungen und Vereinen, damit das DISLIKE 2020 – im Jahr der Ausrichtung des 37. Westfälischen Hansetages in Hattingen – wieder seinen Platz am Bügeleisenhaus einnehmen und kein DISLIKE der Stadt(verwaltung) wird.

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