TÖDLICHE THEMEN BEI TEE UND SEKT

Publikum in der Ausstellung (Foto: Pielorz)

Der Tod gehört zum Leben – mit dem Tod will ich im Leben nichts zu tun haben! Während die einen Tod und Sterben erst dann in ihr Leben lassen, wenn es Familie oder Freunde „trifft“, gehen Hospizler anders mit dem Thema um: Sie begleiten und unterstützen Menschen an ihrem Lebensende. Für sie ist Sterbebegleitung Lebensbegleitung. Deshalb sollten Tod und Sterben auch bei Grundschulkindern bereits diskutiert werden, denn die Kinder haben viele Fragen, die adäquat beantwortet werden müssen. Das geschieht innerhalb des Projektes „Hospiz macht Schule“ vom Ambulanten Hospizdienst Witten/Hattingen. Jetzt gibt es dazu erstmals eine Ausstellung, die bis zum 23. November in der St. Georgs Kirche zu sehen sein wird. Öffnungszeiten Mo bis Sa 10.30 bis 12.30 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr. Danach wird die Ausstellung wandern – und auch in der Stadtbibliothek ankommen. 

Filmbeitrag „Ambulanter Hospizdienst“ RuhrkanalNEWS

Werner Lutzke brachte als ehemaliger Lehrer seine ganz eigene Motivation als ehrenamtlicher Helfer beim Ambulanten Hospizdienst Witten/Hattingen mit. „Meine Frau verstarb und ich überlegte mir, was ich neben meinen Schulprojekten in Afrika hier in der Heimat noch tun könnte. Durch den Tod meiner Frau und meiner Eltern bin ich mit Palliativmedizin in Berührung gekommen und habe einen Kurs absolviert. In der praktischen Arbeit habe ich als erstes eine 95jährige Frau betreut und dann einen älteren Herrn, der an Krebs erkrankt ist und gerne aus seinem Leben berichtet. „Ich brauche manchmal nur ein Stichwort zu liefern. Dann beginnen die Menschen zu sprechen und das tut ihnen gut.“ Für die Hospizler ist klar: „Man sollte den Tod nicht aus dem Leben verbannen. Wir leben aber in einer Gesellschaft, in der genau dies viel zu oft geschieht. Kinder wurden in früheren Großfamilien mit verschiedenen Generationen ganz selbstverständlich mit Krankheit und Tod konfrontiert. Das gibt es heute kaum noch. Deshalb hat sich Hospizarbeit auch erweitert. Wir kümmern uns nicht mehr nur um Menschen in der letzten Lebensphase, sondern fangen auch bei den jungen Menschen wieder an, ihnen das Thema nah zu bringen. Wir gehen in die Grundschulen mit dem Projekt ,Hospiz macht Schule‘ im Rahmen einer Projektwoche“, berichten Beate Achtelik und Silvia Kaniut vom Ambulanten Hospizdienst. 

Publikum in der Ausstellung. Foto: Pielorz

Die Ausstellung richtet sich mit allen Sinnen an Erwachsene und will aufzeigen, wie das Thema Sterben und Tod Kindern vermittelt wird. Berührt zeigt sich bei der Ausstellungseröffnung auch Thomas Wienand, der die elf Stellwände konzipiert hat. Es habe Spaß gemacht, dieses Thema so umzusetzen, sagt er. Zur Ausstellungseröffnung kam auch Dr Paul Timmermanns von der Bundes-Hospiz-Akademie. Über einen Scheck in Höhe von 2000 Euro durfte sich der Ambulante Hospizdienst ebenfalls freuen. Er kam vom Palliativnetzwerk EN-Süd und Hattingen und wurde überreicht von Dr. Franz Krizanits und seiner Frau Sylvia Hoffmann-Krizanits.

Wer sich in ungezwungener Runde mit dem Thema auseinandersetzen möchte, hat auch bei einer neuen Idee der Hospizler dazu die Chance. Gab es bei der Ausstellung ein Gläschen Sekt, werden tödliche Themen bei Tee und Kuchen im „Death-Café“ zur Sprache kommen – erstmalig am Samstag, 30. November, 15 bis 17 Uhr im Café im Holschentor in der Talstraße 8. Weitere Termine gibt es im Februar 2020 bei „Fiete“ im Kleinen Café“ und im April im Emmy-Kruppke-Haus in Welper. Diese Idee richtet sich auch an Pflegekräfte, Erzieher und Praktikanten, aber auch an jede interessierte Privatperson.

RuhrkanalNEWS bei der Filmaufzeichnung. Foto: Pielorz

Die Regionalgruppe des Ambulanten Hospizdienstes hat in Hattingen hat ein eigenes Büro mit festen Sprechstundenzeiten. Montag und Mittwoch von 15 bis 18 Uhr haben Interessierte die Möglichkeit, sich über die Arbeit beim Ambulanten Hospizdienst zu informieren und Gespräche führen, wenn Unterstützung in Anspruch genommen werden soll. Der Ambulante Hospizdienst in Hattingen ist zu erreichen unter 02324/3809 3070 oder 0174/9797029 oder E-Mail unter AHD-Hattingen@gmx.de.

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