TIER-NOTRUF: KEINE ZUSAMMENARBEIT MIT HILFSORGANISATIONEN

Ein Fahrzeug des Tier-Notruf mit ungenehmigtem Blaulicht (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen – Kaum ein Artikel hat für soviel Resonanz gesorgt, wie der Hintergrundbericht über das Unternehmen Tier-Notruf aus Hattingen. Im Nachgang bedanken sich mehrere Feuerwehrleute aus Hattingen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis persönlich, per Mail oder Messengernachricht für unseren Bericht. Sie bestätigten bei dieser Gelegenheit viele unserer Rechercheergebnisse.

Auch das Unternehmen hat sich nun bei uns gemeldet. Wie erwartet über einen Anwalt, der im Namen des Tier-Notruf-Inhabers Jörg Schlüter eine Unterlassungserklärung von uns fordert. Eine zentrale Forderung ist, dass Ruhrkanal-News den Bericht in Teilen ebenso entfernen soll, wie den dazugehörigen Kommentar. Grund sind im Bericht wiedergegebene Schilderungen von Einsatzkräften, nach denen das Unternehmen während laufender Einsätze anfragt, ob auch Tiere betroffen seien. Die Feuerwehrleute haben die Schilderungen ausdrücklich vertraulich gemacht, da sie bei Veröffentlichung ihres Namens einen „shitstorm“ befürchten. Die Bewertung dieser Schilderungen im RuhrkanalNEWS-Kommentar passen dem Unternehmer ebenfalls nicht.

Desweiteren lässt der Unternehmer über seinen Anwalt mitteilen, dass die von ihm getätigten Angaben zu regelmäßigen Gesprächen und gemeinsamen Übungen mit konkret genannten Hilfsorganisationen nie gemacht worden seien. Das wiederum ist erstaunlich, denn auf der Internetseite des Unternehmens bzw. des gleichnamigen Vereins wird die selbst gestellte Aufgabe unter anderem  durch „die logistische Unterstützung der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bei Notfällen mit oder durch Tiere bzw. zum Schutz von Menschenleben vor Tieren, die Unterstützung bei Sonderlagen mit Haustieren sowie die Bereitstellung und Vorhaltung von Katastrophenschutzeinheiten für Großschadenslagen mit Beteiligung von Tieren“ definiert. Wie das ohne gemeinsame Übungen und Absprachen funktionieren soll, bleibt unklar. Das erklärt der Unternehmer in dem anwaltlichen Schreiben nicht.

Außerdem soll RuhrkanalNEWS nicht mehr berichten, dass das Unternehmen bis heute, entgegen der Anordnung des Ennepe-Ruhr-Kreises, auf seiner Internetseite das Wort „Rettungsdienst“ ohne den Zusatz „Tier“ benutzt. Man habe das bereits vor mehreren Wochen geändert, wird in dem Schreiben behauptet. Möglicherweise wurde es an vielen Stellen geändert, aber eben nicht durchgängig. Ob es sich dabei um ein Versehen handelt oder bewusst gemacht wird, ist unklar. Doch leicht nachprüfbar ist, dass bis heute (27. Mai 2019) das Wort „Rettungsdienst“ allein, ohne Zusatz prominent auf der Internetseite verwendet wird. Die Forderung des Unternehmers klingt ein wenig mittelalterlich, jeder Besucher kann es sehen, aber wider besseren Wissens soll RuhrkanalNEWS diese Tatsache widerrufen.

Außerdem möchte Jörg Schlüter durch seinen Anwalt durchsetzen, dass unser Bericht bezüglich der Kostenstellung für Fundtiertransporte geändert wird. Im Interview beantwortete der Unternehmer die Frage ob die Fundtiertransporte direkt mit den Tierbesitzern abgerechnet würden oder über die beauftragenden Behörden/Institutionen, dass sein Unternehmen idR. mit dem Tierheim abrechne und dieses dann die Kosten den Tierhaltern in Rechnung stelle. Bei anderen Behörden, in deren Auftrag er Fundtiere transportiere, sei das Verfahren vergleichbar. Insofern können wir in unserer Darstellung keinen sachlichen Fehler erkennen.

Blaulicht vorschriftswidrig montiert

Immerhin, der Unternehmer hat offensichtlich den RuhrkanalNEWS Bericht gelesen und einige Kleinigkeiten auf der Seite verändert. So ist inzwischen eine Satzung des Fördervereins online gestellt. Doch es handelt sich dabei um eine nicht mehr ganz aktuelle Fassung. In der veröffentlichten Fassung steht „Er [der Verein Tier-Notruf]  soll in das Vereinsregister eingetragen werden und führt dann den Zusatz e.V.“. Der Verein ist jedoch bereits seit mehreren Jahren eingetragen. Bei den anderen Punkten der Satzung ist nicht prüfbar, ob sie dem aktuellen Stand entsprechen.

Interessant an den Forderungen des Unternehmens Tier-Notruf ist in diesem Zusammenhang, welchen Rechercheergebnissen es nicht widersprechen lassen möchte. So ist die vorschriftswidrige Montage von Blaulicht an mindestens einem Fahrzeug kein Thema, auch wenn Jörg Schlüter in sozialen Medien immer wieder versucht zu suggerieren, die blauen Leuchten seien an seinem Fahrzeug genehmigt. Eine Stellungnahme der für derartige Genehmigungen zuständigen Bezirksregierung Arnsberg ist in diesem Punkt jedoch eindeutig. Tier-Notruf darf kein Blaulicht an Fahrzeugen haben.

Auch dass auf der Internetseite nicht deutlich zwischen gemeinnützigem Verein und gewinnorientiertem Unternehmen unterschieden wird, bleibt unwidersprochen. In der veröffentlichten Satzung  ist unter anderem angegeben „Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch die Unterstützung der Vorhaltung eines 24-Stunden-Notdienstes, eines Fahr- und Einsatzdienstes bei Notfallmeldungen sowie sonstiger mit der Versorgung in Not geratener Tiere erforderlichen Einrichtungen.“. In Hattingen übernimmt diese Aufgabe aber das Unternehmen Tier-Notruf. Die beschäftigen Bundesfreiwilligen, die für das Unternehmen arbeiten, dürfen nach Auskunft des zuständigen „Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben“ nicht für den Verein arbeiten, da dieser keine anerkannte Einsatzstelle im Bundesfreiwilligendienst ist. Aktuell ist demnach ein Bundesfreiwilliger beim Unternehmen, es können aber bis zu drei „Bufdis“ gleichzeitig vom Amt genehmigt werden. Die Bundesfreiwilligen unterstützen bei folgenden Tätigkeiten: Medizinischen Notfallversorgung (erweiterte Erste Hilfe) von verletzten und verunfallten Tieren (Tierrettung), Versorgung, Sicherung und Betreuung von Fund- und Wildtieren, Telefondienst Einsatzzentrale.

Welche Aufgaben der Verein tatsächlich übernimmt, bleibt weiterhin unklar. An dieser Stelle schweigt Firmeninhaber Jörg Schlüter, der gleichzeitig 1.Vorsitzender des Vereins ist, der fast genau so heißt, wie sein Unternehmen. Auch die Zahl der Mitglieder wird weiterhin nicht genannt.

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