MIKROKOSMOS IM SCHAURAUM WACHSZINSHAUS

Wespe (Foto: Andi Brandhoff)

 

Spannende Fotografien im Schauraum Wachszinshaus und der St.-Georgs-Kirche

Hattingen – Seine Liebe gilt der Fotografie, besonders den Großaufnahmen des ganz Kleinen, der Makrofotografie von Insekten. Im Kleinen findet er das ganz Große, eine Schönheit in der Natur, etwas unbedingt Schützenswürdiges, eine überwältigende Schöpfung – Der Fotograf Andi Brandhoff.

Andi Brandhoff (Foto: Privat)

Er ist ein sehr wacher und aufmerksamer Beobachter, findet Insekten in Wald und Flur und auch an der St. Georgskirche, dessen wunderbarer Garten in den letzten 5 Jahren unter seinen Händen entstanden ist. Wir, die diese Blumenpracht genießen, nehmen die Insekten normalerweise  nicht wahr und kommt so ein Tierchen auf uns zu, läuft uns eher ein Schauer über den Rücken und gern würden wir es schnell tot treten oder erschlagen oder eine Spraydose zur Hand nehmen. Insekten sind uns nicht vertraut, sie sind wie von einem anderen Stern. Ihre Augen schauen uns nicht an, sie haben keine Pupillen mit denen sie ein Gegenüber fokussieren können, ihre Augen haben nicht den feuchten Glanz von treuen Hundeaugen. 

Nein, Insektenaugen treffen unsere Seele nicht. Da bleibt uns nur der Blick auf das Sechseckmuster der Facettenaugen, deren Einzelaugen alle in verschiedene Richtungen schauen. Gut für das Insekt, die Fliege sieht die Klatsche schon, wenn sie noch hinter ihr ist, aber schlecht für unser Mitgefühl. Ihr Gesicht zeigt keine Mimik, sie ist unter einem Panzer verborgen. Insekten sind zu klein, zu fremd, zu vermeintlich unbedeutend. Wären sie größer, taugten sie vielleicht für einen Horrorfilm. Der Hattinger Andi Brandhoff zeigt uns ihre ganz andere Seite. Mit dem Makroobjektiv seiner Kamera entdeckt er ihre Schönheit und zeigt sie uns in seiner Foto-Ausstellung gleichzeitig an zwei Orten: Im Schauraum Wachszinshaus und in der St.Georgs-Kirche. Durch diese nachbarschaftliche Kooperation wird gleichzeitig der Künstler gewürdigt und der Kunst in Pandemiezeiten geholfen. Denn noch immer gelten allgemeine  Schutzmaßnahmen. So kann die Ausstellungseröffnung bei schlechtem Wetter in der St. Georgs-Kirche stattfinden und auch die Insekten, die ungeliebten Kreaturen der Schöpfung finden Asyl im Kirchenraum.

Springspinne (Foto: Andi Brandhoff)

Auf den Darstellungen des Hl. Franz von Assisi sind sie nicht zu finden, die Insekten, eher Tauben und freundliche Vierbeiner, wie z.B. ein Reh. Wie kommt das? Denn obwohl Papst Franziskus Franz von Assisi zum Botschafter für Ökologie und Umwelt ernannt hat, spielen sie, wenn überhaupt, nur eine Minirolle in den Darstellungen der Tierwelt, wie auch in der bildenden Kunst. Die Biene geht noch so eben, wie in Bildern von Jörg Immendorff, aber schwarz-grün schillernde Käfer mit ihren Zangen, Spinnen mit ihren acht Augen und ihrem bedrohlichen Beutefang oder Mücken und Fliegen als Krankheitsüberträger haben so gut wie keine Chance auf eine Darstellung in der Kunst.

In den Fotografien von Andi Brandhoff ist von dieser Antipathie gegenüber Insekten nichts zu sehen, sie sind einfach da und sogar gefährlich nah, aber ohne Gänsehauteffekt, weil sie eben auch sehr schön sind. Durch die vielfache Vergrößerung tut sich ein im Alltag nie gesehener Kosmos an glänzenden Strukturen und Mustern auf Körpern und Flügeln auf und die Farben und Formen sind einer hochmalerischen Abstraktion nahe.  Es lohnt sich noch etwas näher heranzutreten, um sich von dieser Pracht der Geschöpfe zu überzeugen.            

Es gibt etwas ganz Schönes an ihnen zu entdecken und gleichzeitig offenbaren die Fotografien in einer Zeit der Umwelt- und Naturzerstörung die bedrohte Vielfalt und enorme Bedeutung der Insekten und das gibt ihnen die Berechtigung, in Bildern, Zeichnungen und Fotografien wie selbstverständlich aufzutauchen und zur Kunst dazu zu gehören.

Der Fotograf Andi Brandhoff ist ihnen mit ihrer eigenartigen Schönheit auf der Spur gewesen, weniger als Naturkundler, der sie sammelt und aufpikst, sondern als Augenmensch, der uns Achtsamkeit vor diesen kleinen Mitbewohnern unserer Erde abnötigt.

Wespenspinne mit Heuschrecke (Foto: Andi Brandhoff)

Am 7. November 2021 um 11 Uhr eröffnet die Ausstellung „Mikrokosmos – Im Kleinen das Große“ in der St.-Georgs-Kirche und anschließend im Schauraum Wachszinshaus auf dem Kirchplatz 14. In die Ausstellung führt ein: Dr. Heinz Eberhard Boden.

Kontakt und Besuch der Ausstellung: 0173-9024609 oder 0174-1691477

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