KRIMINELLE JUGENDLICHE – HATTINGEN IST EIN SICHERES PFLASTER

Logo „Kurve kriegen“, seit 2016 auch im EN-Kreis als NRW-Präventionsprojekt vertreten.

Hattingen- Nicht selten schaut man auf die eine große Schlagzeile: eine brutale Auseinandersetzung unter Jugendlichen oder Heranwachsenden, womöglich noch mit Migrationshintergrund. Im Kopf entsteht die nächste Schlagzeile: Die Jugendlichen von heute sind brutaler geworden. Doch stimmt das überhaupt? Für Hattingen jedenfalls gilt das nicht. Thomas Behr von der Hattinger Jugendgerichtshilfe und Hauptkommissar Ulrich Beckmann haben im Jugendhilfeausschuss die aktuellen Zahlen vorgestellt. 

Kriminelle Jugendliche: Hattingen ist echt ein sicheres Pflaster

253 Jugendliche und Heranwachsende unter 21 Jahren waren es noch 2017, die straffällig wurden. Im letzten Jahr waren es „nur“ noch 170. Thomas Behr von der Jugendgerichtshilfe der Stadt Hattingen erinnert sich in seiner langen Dienstzeit an ganz andere Zeiten, als beispielsweise im Haus der Jugend die Polizei öfter zu Gast war. Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert. Wirft man einen Blick auf die Art der Straftaten, so ist bei Körperverletzung, BTM (Betäubungsmittel), Verkehrsdelikten und Ladendiebstahl ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. „Wir haben seit drei Jahren in Hattingen keinen einzigen jugendlichen Intensivtäter mehr“, so Behr. Die Intensiv- oder Mehrfachtäter – im Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es aktuell 19 von ihnen – sind überwiegend männlich. Nur vier Frauen gibt es derzeit im EN-Kreis, die zu dieser Gruppe gehören. 

Sehr junge Straftäter, teilweise sogar unter 14 Jahren, sollen Hilfe bekommen beim Projekt „Kurve kriegen.“ Das NRW-Präventionsprojekt gibt es seit 2011, es wurde von der Polizei NRW initiiert. Seit 2016 ist es auch im Ennepe-Ruhr-Kreis vertreten. Aktuell gibt es in Hattingen einen 14jährigen Straftäter, der an diesem Projekt teilnimmt. Nach bestimmten Kriterien und Voraussetzungen werden Kinder für das Programm ausgewählt, bei denen in persönlichen Gesprächen zunächst die Bereitschaft der Eltern und Kinder an der Mitwirkung des Programms abgeklärt wird. Danach startet das eigentliche Programm, das individuell auf die Kinder zugeschnittene Maßnahmen mit geeigneten Partnern anbietet, beispielsweise Traumatherapien, Sportkurse, usw. Generell geht es darum, den Kindern den Ausstieg aus der eventuell folgenden Spirale aus sich wiederholenden Straftaten zu ermöglichen oder zu erleichtern und sie dahingehend zu festigen, im weiteren Verlauf keine Straftaten mehr begehen. Und das Projekt ist erfolgreich: Eine von der Landesregierung in Auftrag gegebene Studie fand heraus, dass 40 Prozent der Teilnehmer nicht mehr straffällig wurden, nachdem sie das Programm durchlaufen hatten. Jedem in „Kurve kriegen“ investierten Euro stehe ein Nettonutzen von bis zu zehn Euro gegenüber − in Form ersparter sozialen Folgekosten, zum Beispiel für Erziehungshilfe, Haft und Resozialisierung. Weitere Informationen gibt es bei Kreispolizeibehörde Ennepe-Ruhr-Kreis in Schwelm; Kriminalkommissariat „Kriminalprävention/Opferschutz“. 

In Hattingen arbeitet man auch gern mit der Suchthilfeprophylaxe der Caritas zusammen. Ein Thema ist dies vor allem bei sogenannten Diversionsverfahren. Bei leichten oder mittelschweren Delikten werden dem jugendlichen Straftäter Weisungen auferlegt (z. B. gemeinnützige Arbeitsstunden oder ein sozialer Trainingskurs), um das formelle Strafverfahren zu umgehen. 

Statistisch erfasst ist in vielen Fällen auch der Migrationshintergrund. „Wir haben keine signifikante Auffälligkeit bei diesem Thema“, sagt Thomas Behr. Das wird auch von der Polizei bestätigt. Blickt man von Hattingen aus auf das Land NRW, ist auch hier die Jugendkriminalität rückläufig. 

Wurden 2008 noch rund 140.000 Fälle erfasst, waren es zehn Jahre später nur noch 106.000 Fälle – ein Rückgang um rund 24 Prozent. 

Zwei Dinge allerdings macht die Polizei NRW deutlich: Die Anzahl von Tatverdächtigen einer Körperverletzung an Schulen stieg um 469 (+ 15,2 %) von 2016 auf das Jahr 2017 – obwohl die Zahlen im Zehnjahresvergleich rückläufig sind von 5 311 im Jahr 2008 auf 3 564 im Jahr 2017. Und: In Deutschland wird fast jeder sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) regelmäßig Opfer von teils massiver körperlicher oder seelischer Misshandlung durch Mitschüler. Im Schnitt aller Teilnehmerländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist sogar nahezu jeder Fünfte (18,7 Prozent) mehrmals im Monat von Mobbing betroffen. Fast jeder zehnte 15-Jährige aus Deutschland (9,2 Prozent) beklagte, immer wieder Ziel von Spott und Lästereien zu sein. 2,3 Prozent gaben an, in der Schule herumgeschubst und geschlagen zu werden. Insgesamt sind Jungen laut OECD häufiger Mobbing-Opfer als Mädchen. Diese sind aber stärker von Ausgrenzung und bösen Gerüchten betroffen. Auf Schulleistungen hat dieser Stress oft negative Auswirkungen.

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