KOMMENTAR: EINMAL WIE EIN BONZE!

Der evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten erinnerte in seiner Mahnwache an das Leid der vielen Flüchtlinge, die zur Zeit versuchen sichere Länder zu erreichen. Eins der Ziele ist Europa. Doch auf dem Weg dorthin sterben viele Menschen, wenn sie marode Boote betreten, um das Mittelmeer zu überqueren. Um es ganz deutlich zu sagen: Tausende Flüchtlinge – Männer, Frauen, Kinder- ersaufen jämmerlich bei dem Versuch ein sicheres Land zu erreichen. Viele der Toten werden geborgen, unzählige bleiben unentdeckt und verschwinden spurlos in den Tiefen des Meeres. Namenlos und unbemerkt von der Öffentlichkeit.

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Oft wird behauptet, das Boot sei voll. Ein Sprachbild, das angesichts der humanitären Katastrophe auf dem Mittelmeer, perfide und dämlich ist. Denn genau so oft hört man, meistens aus gleichem Munde, dass es genügend Menschen in Deutschland gebe, denen es schlecht gehe; denen solle zuerst geholfen werden. Diese Not in Deutschland und Europa gibt es demnach unter anderem, weil „die Bonzen“ nichts abgeben und Steuern hinterziehen, indem sie Vermögen auf Konten im Ausland parken. Es gehört in diesen Kreisen zum Allgemeinwissen, dass die Regel „Je reicher, desto geiziger!“ geradezu unumstößlich ist.

Doch nun können sich alle, die die Grenzen dicht machen wollen, an die eigene Nase fassen. Sie sind nämlich global betrachtet die unglaublich vermögenden Menschen. Selbst HartzIV-Empfänger bekommen genügend Geld, um eine warme, intakte Wohnung zu bezahlen und um nicht hungern zu müssen. Dass darüberhinaus keine großen Sprüngen drin sind, ist unbestritten. Und dennoch, dieser Zustand, in Sicherheit leben zu können, in einem Land in dem ein Verkehrsunfall die wahrscheinlichste „gewaltsame“ Todesursache ist, ist für viele Menschen paradiesisch. Ein Land erreichen zu wollen, in dem niemand hungert oder vor Folter, willkürlicher Verhaftung und Bürgerkrieg Angst haben muss, ist ein verständliches und nachvollziehbares Ziel. Viele Menschen können noch nicht mal davon träumen so gut zu leben, wie ärmsten Menschen in Deutschland.

Von allen Ländern nimmt Pakistan die meisten Flüchtlinge auf, gefolgt vom Libanon. Bei (Bürger-)Kriegen fliehen viele Menschen ins Nachbarland und bleiben dort. Staaten, die selbst kaum genug haben, um die eigene Bevölkerung zu  versorgen, versuchen zusätzlich auch diese Flüchtlinge zu versorgen. Oft genug mit wenig oder ganz ohne internationale Hilfe. Und in Europa, einer der unbestritten reichsten und stabilsten Region der Welt, haben viele Angst, ein wenig von ihrem Wohlstand teilen zu müssen. So ist dass, wenn man einmal, global betrachtet, der „Bonze“ ist. Dann kann man bei der  Flüchtlingshilfe knausern, wenn man schon keine Steuern im Ausland hinterziehen kann. Ach ja, Deutschland nimmt übrigens weniger Flüchtlinge auf, als  Länder wie Sudan und Kamerun.

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