KNIGGE UND MEHR FÜR FLÜCHTLINGE

Refugee Guide ist ein Ratgeber für Flüchtlinge (Foto: refugeeguide.de)

Hattingen/Hamburg – „Die können sich nicht benehmen und schmeißen ihren Müll überall hin!“ Vorurteile wie diese haben den Hamburger Michael Strautmann genervt, wenn sich Menschen über Flüchtlinge unterhalten. Erstens schmeißen Flüchtlinge ihren Müll normalerweise nicht wahllos in die Gegend und zweitens ist es gar kein böser Wille, sondern schlicht Unkenntnis unserer Regeln und Normen, die Flüchtlinge immer wieder unbeabsichtigt ins Fettnäpfchen treten lässt. „Bis zu ihrer Anerkennung bekommen die Flüchtlinge keine Sprachkurse, über Integration redet auch niemand, sie sind schlicht auf sich allein gestellt,“ so Strautmann. Also überlegt er sich, wie er unbürokratisch und schnell helfen kann. Deutschlandweit soll es wirken.

Deswegen wird ein „Knigge“ für Flüchtlinge entwickelt. Er soll als Refugee Guide Hilfestellung für das Zusammenleben in Deutschland geben. Am 10. September 2015 ruft Strautmann über soziale Netzwerke zur Mithilfe auf. Er benötigt vor allem Übersetzer, die eine deutschsprachige Broschüre in zehn Sprachen, von arabisch über farsi bis serbisch, übersetzen. „Drei Wochen später ist unsere Webseite online gegangen. Alles ohne dass irgendjemand Geld für seine Arbeit bekommen hat,“ ist Strautmann zu Recht stolz auf die Leistung seiner Gruppe. Ein harter Kern von etwa zehn Menschen wird unterstützt von rund 40 Leuten, die ein Logo entwerfen oder die Übersetzungen gegenlesen. Die

Unter dem Titel "Refugee Guide" gibt es Alltagstipps für Flüchtlinge (Grafik: refugeeguide.de)

Unter dem Titel „Refugee Guide“ gibt es Alltagstipps für Flüchtlinge (Grafik: refugeeguide.de)

Helfer sind über ganz Europa verteilt, die Übersetzungen werden von Muttersprachlern übernommen. „Wir wollten unsere Broschüre ursprünglich in zehn Sprachen zur Verfügung stellen, es werden aber wohl noch einige dazu kommen,“ ist sich Strautmann sicher.

Broschüren sind zur kostenlosen Verwendung

Wichtig ist den Machern von Refugee Guide, dass die Broschüren möglichst häufig heruntergeladen, ausgedruckt und verteilt werden. Dazu haben sie PDF-Dateien auf ihre Seite gestellt, die jeder ausdrucken darf. Nach einer Woche bereits mit durchschlagendem Erfolg. „Mehrere Städte wollen die Broschüren drucken lassen, ein Verlag hat angefragt, ob er die Informationen in sein Programm aufnehmen und verteilen darf,“ berichtet Strautmann. „Dabei sind noch gar nicht alle Versionen in ihrer finalen Fassung, französisch und arabisch werden beispielsweise momentan noch überarbeitet. Bei anderen Sprachen läuft noch die Übersetzung.“

Die Rückmeldungen waren bisher überwiegend positiv, sogenannte „besorgte Bürger“ haben sich kaum geäußert. Lediglich einige sarkastische Mails landeten im Postfach von Refugee Guide. „Da wurde uns vorgeschlagen, die deutschsprachige Version auch an Einheimische zu verteilen, die könnten dadurch oft auch noch was über das Thema Zusammenleben und Rücksichtnahme lernen,“ schmunzelt Strautmann. Auch für diesen Zweck dürfen die Broschüren gerne direkt heruntergeladen, ausgedruckt und verteilt werden.

%d Bloggern gefällt das: