„HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUR SCHÖNSTEN STADTHALLE“

Hattingen- Sogar der Bauminister ist aus Düsseldorf angereist. Und er hat Zeit mitgebracht. Schließlich ist zur offiziellen Freigabe des historischen Gebläsehauses der Henrichshütte das passende Rahmenprogramm auf die Beine gestellt worden. Für die Musik ist die „Rhein-Ruhr Philharmonie“ verpflichtet worden. Das Orchester hat bereits Erfahrung mit dem Gebläsehaus. Die Musiker haben hier schon bei Minustemperaturen gespielt, als das Gebäude nicht nicht saniert war. Bei der Eröffnungen genießen die Ensemblemitglieder sichtlich die neue Atmosphäre. Die Musiker unter der Leitung von Dirigent Ingo Ernst Reihl stellen sich perfekt auf die schwierige Akustik in der Maschinen halle ein und begeistern die anwesenden Gäste.

In seinem Grußworte zeigt sich LWL-Museumsleiter Robert Laube erfreut über die gelungene Sanierung und bedauert, dass für den Festakt nur 199 Menschen in die Halle gelassen werden dürfen. „Aber nach der offiziellen Veranstaltung dürfen mehr Menschen gleichzeitig betreten, kommen Sie also herunter und nutzen die Gelegenheit. Es lohnt sich“, sagt er in Richtung der Besucher, die den Festakt aus dem angrenzenden Restaurant beobachten. Hier steht eine Leinwand, auf die vom RuhrkanalNEWS-Team Livebilder übertragen werden.

Veranstaltungsort für viele Gelegenheiten

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Das restaurierte Gebläsehaus soll Ort für Ausstellungen, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen sein (Foto: RuhrkanalNEWS)

In der Halle wurde von 1906 bis 1987 Wind für die Hochöfen und Strom für das Stahlwerk erzeugt. In den vergangenen sechs Jahren sei sie auf eine schonende Weise hergerichtet worden, teilte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Träger des Industriedenkmals mit. Die Sanierung kostete knapp drei Millionen Euro. Installiert wurden unter anderem eine neue Elektrik sowie ein Aufzug, auch an der Statik wurde nachgebessert. Hier können zukünftig Sonderausstellungen gezeigt werden, wie Konzerte oder andere Kulturprogramme auf die Bühne kommen. Den Auftakt mal zur Eröffnung die Sonderausstellung „TECHNOPHILIA“ des Künstlers Gerhard Hahn.

Er experimentiert seit 1996 mit Werkstoffen der Groß- und Schwerindustrie. Werkshallen wandeln sich zu Ateliers für seine Kunstwerke. Sie nehmen durch Hahns Ingenieurwissen und Kreativität Gestalt an, in die der Dialog mit den Industriearbeitern eingeht. In der Henrichshütte Hattingen präsentiert der 60-Jährige einen Querschnitt seines Schaffens – damit ist „TECHNOPHILIA“ zugleich eine Retrospektive. Hahns Arbeiten aus Keramik, Eisen, Siliziumcarbid, Folien, Wind und Licht verbergen nicht die Spuren ihrer Produktion. Skulpturen und Wandarbeiten geben Auskunft über ihre Entstehung, zitieren auch gestalterisch den industriellen Kontext. Zugleich gelingt es dem Künstler immer wieder, den anorganischen Werkstoffen gleichsam Leben einzuhauchen: Texturen, Risse, Faltungen, organische Formen und atmende Installationen führen über das Technisch-Handwerkliche hinaus zu Kontemplation, Assoziation und des Künstlers „Sicht der Dinge“. In diesem Sinne steckt in „TECHNOPHILIA“ durchaus auch Philanthropisches.

Lobende Worte, Rückblick auf Kulturveranstaltung, kein Hüttenkampf

Auf der (virtuellen) Bühne, vor dem Publikum werden Künstler und Organisatoren zum munteren Plausch gebeten. Lobende Worte über den neuen Veranstaltungsort sind zu hören. Kritisches bleibt aus, so wie es bei derartigen bei Eröffnungen erwartbar ist. Allerdings auf die, zugegebenermaßen wichtige und bedeutsame, Klöppelausstellung einzugehen und den Hüttenkampf mit keinem Wort zu erwähnen, ist an diesem Ort bemerkenswert. Der vergebliche Kampf zum Erhalt der Hütte war schließlich Grundstein zum heutigen Museum. Das war allerdings auch der einzige Schwachpunkt in einer ansonsten rundherum gelungenen Veranstaltung. Die Hattinger haben jedenfalls einen neuen Ort für Kultur, hoffentlich wird er gut angenommen.

Hier ist die komplette Eröffnungsfeier:

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