HATTINGENS ERSTE BESTATTERMEISTERIN

Isabell Neumann, Bestattermeisterin (Foto: Anja Pielorz)

Hatttingen- Isabell Neumann ist die erste Frau in Hattingen, die einen Brief als „Bestattermeisterin“ vorweisen kann. Berührungsängste mit Verstorbenen hatte sie schon als Kind nicht – und verdiente sich mit sechs Jahren ihr Taschengeld durch das Anschrauben der Griffe an Särge.

 „Mein Urgroßvater Emil Stratmann hat unseren Familienbetrieb gegründet. Dann übernahm meine Großmutter Luise Stratmann-Neumann das Unternehmen, dann mein Vater Peter. Als vierte Generation habe ich den Betrieb übernommen und bin Geschäftsführerin“, sagt sie. 

Isabell Neumann ist mit dem Bestattungswesen groß geworden. „Der erste Verstorbene, dem ich begegnet bin, das war mein Großvater. Da war ich drei Jahre alt. Ich habe nie Berührungsängste gehabt, ich kannte das nicht anders.“  Alltäglicher Bestandteil ist das Unvorhersehbare. „Natürlich hat es in meiner Kindheit auch immer Situationen gegeben, die man als Kind nicht toll fand. Mein Vater ist an Heiligabend in der Regel nie durch das ganze Weihnachtsessen gekommen. Meistens gab es einen Anruf und er musste los, weil eben jemand verstorben war. Aber so ist das eben.“

Heute ist die Zuwendung für Isabell Neumann eines der wichtigsten Elemente im Berufsalltag. „In einer schwierigen Situation für andere Menschen einfach da zu sein und ihnen zu helfen, das ist Kern meines Arbeitsverständnisses. Natürlich braucht man einen persönlichen Ausgleich, denn manche Geschichten und Schicksale berühren sehr. Ich finde diesen Ausgleich im Sport.“ 

Bestatter, das waren eigentlich beim Blick in die Geschichte, meistens Männer. „Die Ausbildung zur Bestatterfachkraft dauert heute drei Jahre und ist erst seit 2003 in Deutschland staatlich anerkannt. Den Meister, den ich jetzt gemacht habe, sogar erst seit 2011. Der Beruf des Bestatters ist bis heute in Deutschland frei und nicht gesetzlich geregelt. Das hängt damit zusammen, dass er aus dem Bereich der Tischlerei oder Schreinerei kommt und viele Absolventen hatten in diesem Beruf eine Ausbildung und einen Meisterbrief in der Tasche. Das waren auch überwiegend Männer. Heute ändert sich das Bild. Zunehmend gehen Frauen in diesen Beruf, weil es immer mehr auf psychologische Beratung ankommt. Meine Die Ausbildung fand an der einzigen europäischen Bestatterschule in der Nähe von Bad Kissingen statt. Die Theo-Remmertz-Akademie qualifiziert in zwölf Bausteinen für den Meisterbrief. In den Inhalten gehören dazu Recht, Trauerpsychologie, Friedhofplanung, Unternehmensführung, Personalführung, Rechtsmedizin, Thanatopraxie (die Kunst des Einbalsamierens und der Aufbahrung), Marketing, Krematoriumstechnik und vieles mehr“, berichtet die gelernte Einzelhandelskauffrau, die schon ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert hat und mehrere Jahre Berufserfahrung sammelte, bevor sie in den elterlichen Betrieb einstieg. 

Der Blick in die Geschichte zeigt auch: Starben die Menschen damals in der Regel zuhause und die Bestattung folgte keinen individuellen Kriterien, hat sich das heute grundlegend geändert. Die meisten Menschen sterben nicht zuhause, dafür legen immer mehr Angehörige und manchmal auch der Verstorbene selbst viel Wert auf ein persönliches Abschiednehmen. „Der Bestatterverband Ennepe-Ruhr, dessen Vorsitzende ich heute bin, legt Wert darauf, gesetzliche Regelungen für den Beruf des Bestatters zu erwirken. Man braucht schließlich einiges an Wissen und Feingefühl, um diesen Dienst am Menschen ausführen zu können.“

2 Kommentare zu "HATTINGENS ERSTE BESTATTERMEISTERIN"

  1. Da fühlt man sich ja dann für den letzten Gang gut aufgehoben!

  2. Hallo meine liebe Isabell Neumann, wir waren immer 100000000mal und mehr zufrieden für die Arbeit die Sie geleistet haben….der Tod ist schlimm aber wenn jemand es so toll mit Deko und ganz viel liebe hinbekommt erinnert man sich gerne an die schlimmste Zeit zurück ….Danke liebe Frau Isabella Neumann….ich / wir können Sie nur weiterempfehlen……

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