HATTINGEN ÖFFNET TÜREN FÜR KINDER IN AFRIKA

V.l. Heike Nussmann, Petra Haaf und Gabriele Kroll vom Verein „Kinder in Namibia“, Justina Stephanus aus Namibia, Bürgermeister Dirk Glaser, Karin Drees vom Verein und Landrat Olaf Schade. (Foto: Dr. Anja Pielorz)

Hattingen hat… Beziehungen zu Afrika. In jedem Fall zu Namibia, weil Hattinger seit 1999 mit dem Verein „Kinder in Namibia“ Patenschaften übernehmen und über Bildung versuchen, den Kindern dort eine Perspektive zu bieten. Zum 20. Geburtstag des Vereines kamen Landrat Olaf Schade, Bürgermeister Dirk Glaser, die stellvertretende Bürgermeisterin Margret Melsa, Buchautor Hellmut Lemmer und natürlich viele Mitglieder des Vereines. In seinem Grußwort macht der Bürgermeister deutlich, dass er schon 2015 bei seinem Besuch in Burkina Faso Bildung als Schlüssel für die Zukunft Afrikas erlebt habe.

Die Dokumentation aus Burkina Faso gibt einen Einblick über die aktuelle Situation in Christoph Schlingensiefs “Operndorf-Afrika” in Quagadougou. Barteczko/Glaser © 2015

Damals nämlich war Dirk Glaser mit Filmemacher und Kameramann Claus Barteczko gemeinsam in Burkina Faso. Die beiden drehten einen Dokumentarfilm über ein Bildungsprojekt mit 200 Schülern, die von den Dorfgemeinschaften für einen regelmäßigen Schulbesuch ausgewählt worden waren, aber auch das Thema bespielten, wie afrikanische Kultur den Weg nach Europa finden könne. Bildung ist auch für die Kinder von Namibia der Schlüssel für die Chance auf ein besseres Leben. Nach dem Tod von Vereinsgründerin Ingeborg Lalk im November 2010 übernahm Gabriele Kroll den Vorsitz. Sie sammelte neue Mitstreiter um sich, damit die Arbeit des Vereines weitergehen und die 150 Patenschaften weitergeführt werden konnten. 

„Um das System einmal deutlich zu machen: In Namibia besteht Schulpflicht. Das Schulgeld wurde offiziell bis zur 7. Klasse abgeschafft. Aber die finanziellen Belastungen gibt es in anderer Form, nämlich als Büchergeld, Material- oder Papiergeld, Geld für Schuluniformen und vieles mehr. Wer es nicht bezahlt oder bezahlen kann, der bekommt kein Zeugnis. So einfach ist das“, erklärt Heike Nussmann, die zusammen mit Gabriele Kroll und Petra Haaf vor Ort war. Die Unterschiede im Land seien unfassbar groß – moderne Shoppingcenter und große Autos gäbe es genauso wie nicht an Strom und Wasser angeschlossene Gebiete, in denen noch nicht einmal Geburt oder Tod registriert würden. Farmer aus dem Hinterland lebten beispielsweise in Dordabis, 80 Kilometer von Windhoek entfernt. Dort gäbe es nichts, auch keine Busverbindung. Die hat es in Deutschland und in Hattingen Justina Stephanus angetan, der Leiterin des Kinderheims, welches seit vielen Jahren vom Hattinger Verein unterstützt wird. Fasziniert äußert sie sich über das geregelte Verkehrswesen hierzulande und berichtet von den Anfängen der Hattinger Verbindung. „Ingeborg Lalk kam auf einer Reise nach Namibia. Ich habe ein Kind, Nico. Er ist schwarz, aber in der Seele weiß. Er sah Ingeborg und nahm sie in den Arm und gab ihr Küßchen auf die Wange. Sie sah, wie wir lebten. Da sprang der Funke über und es war für Ingeborg klar, dass sie hier helfen wollte. Sie gründete den Verein und kam zurück. Hier ist Hattingen ist alles geregelt: Die Kinder wissen, wie sie zur Schule kommen können. Das ist bei uns ganz anders. Viele Kinder wissen nicht, wie sie am nächsten Tag zur Schule kommen und wenn man einmal in ein Krankenhaus muss, dann muss man oft mehrmals hingegen, um Hilfe zu bekommen. Busse gibt es kaum und manchmal muss man stundenlang zu Fuß gehen. Ich möchte mich bedanken bei dem Verein und auch bei dem Bürgermeister dafür, dass Hattingen uns hier die Türen geöffnet hat. Eine Hilfe, die ohne Ingeborg nicht möglich gewesen wäre.“ 

Justina Stephanus kam für zwei Wochen nach Hattingen. (Foto: Dr. Anja Pielorz)

Der Verein „Kinder in Namibia“ unterstützt auch Erenstine und die bei ihr lebenden Kinder – ein festes, kleines Häuschen konnte gebaut werden. Gisela Haslund von der Gemeinde Swakopsmund konnte mit Vereinshilfe Grund und Boden erwerben. Die ausgebildete Kindergärtnerin wird bald – ebenfalls mit Unterstützung des Hattinger Vereines – einen Kindergarten führen können.

Regelmäßig fahren Gabriele Kroll, Heike Nussmann oder Petra Haaf nach Namibia. Dort besuchen sie ihre Schützlinge, geben aber auch zu: „Man muss schon nach dem Rechten sehen und vor Ort die geleistete Arbeit prüfen“. Übrigens geschieht dies auf eigene Kosten.

„Die Kinder sehen die Fotos aus Europa. Und für sie ist jeder Europäer reich und lebt im Überfluss. Es ist schwer, ihnen begreiflich zu machen, dass das nicht immer stimmt.“

Der Chor aus Bochum-Linden. Vorne rechts das Foto der verstorbenen Vereinsgründerin Ingeborg Lalk. (Foto: Dr. Anja Pielorz)

Auf der Geburtstagsfeier gibt es neben Film- und Fotobeiträgen natürlich auch Kaffee und Kuchen und ein Geschenk – die Kleiderkammer der Caritas, die den Verein regelmäßig unterstützt, überreicht eine Spende von 500 Euro. Musik gibt es auch – ein Chor aus Bochum-Linden sorgt für afrikanisches Flair im Gemeindehaus an der Augustastraße.

Eine Patenschaft für ein Kind kostet 25 Euro im Monat. Spenden an den Verein unter: DE 28 4305 1040 0000 0710 92. Kontakt auch unter www.kinder-in-namibia-ev.de.tl

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