KOMMENTAR: GELD VERDIENEN IST NICHT ALLES – AUCH NICHT IN DER GASTRONOMIE

Der Kommentar von Claus Juergen Barteczko zum RuhrkanalNEWS Artikel „Altstadtgastronomie – Ordnungsamt greift durch“

Viele Urlaubsrückkehrer haben das Coronavirus im Gepäck und bringen es zurück in die Heimat. Die Coronazahlen steigen – nicht zuletzt auch deshalb – immer weiter an. Schulen oder Klassen werden geschlossen. In ganz Deutschland haben wir den höchsten Stand an Neuinfektionen (über 2000 pro Tag) seit April diesen Jahres. Das ist und bleibt nun mal Fakt!

Beschwerden über Verstöße gegen die Coronaschutzmaßnahmen häufen sich. Und hatte man bis vor kurzem das Gefühl, dass die Stadt bezüglich der Außengastronomie so gut wie keine Präsenz zeigt, so ist mit dem gestrigen Abend dieser „Vorwurf“ Geschichte. Denn das Ordnungsamt verschaffte sich gemeinsam mit der Ersten Beigeordneten Christine Freynik ein eigenes Bild von der Situation in der Stadt.

Dicht an dicht sitzen Gäste eng beisammen. Mülleimer der Stadt Hattingen werden von ihrem ursprünglichen Platz entfernt, um noch mehr Tische rauszustellen. Mund- und Nasenschutz werden falsch oder teilweise gar nicht getragen. Kontaktformulare werden nicht richtig ausgelegt. Zumindest der Verdacht liegt nahe, dass auch Gläser nicht, wie gefordert, bei 65 Grad gespült werden. In Küchen kann man dichtes Gedränge beobachten, Köche ebenfalls ohne Mund- und Nasenschutz sehen. Man hat förmlich das Gefühl, Corona gibt es nicht. Und sollte man sich als Anwohner über diese Verfehlungen, wie vom Bürgermeister gefordert, beschweren, wird man mittlerweile massiv bedroht. Zustände, die wir in Hattingen nicht haben wollen und hier nicht hingehören.

Der Kirchplatz ist schön. Die pittoresken Häuser sind liebevoll geschmückt und die Nachbarschaft könnte nicht besser funktionieren. Natürlich gehört zu so einer schönen Atmosphäre auch eine gute und freundliche Gastronomie. Immer mehr Anwohner wollen sich diese kleine Beschaulichkeit nicht kaputt machen lassen, denn man lebt gerne hier. Dazu gehört allerdings auch das Einhalten der Lärmschutzregeln in der Nacht. Und dazu gehört natürlich auch seit diesem Jahr das Einhalten der Coronaschutzmaßnahmen. 

Kein Anwohner möchte quasi im Dauerkontakt Polizei und Ordnungsamt nachts beschäftigen, weil wieder ein Gastronom meint, mitten in der Woche seine Mitarbeiter lautstark bespaßen zu müssen oder Gäste lautstark unterwegs sind. Uhrzeiten von 2 bis 4 Uhr morgen sind da keine Seltenheit. Kein Anwohner möchte erleben, dass der Kirchplatz die Ursache für einen Corona-Hotspot Hattingen wird. 

Man fühlte sich mit seinen Beschwerden allein gelassen. Bis gestern. Bestimmend, aber auch verständnisvoll für die Situation einzelner Gastwirte, hat nun die Ordnungsbehörde eingegriffen. Und das ist gut so. 

Hoffen wir, dass diese Maßnahmen fruchten und jetzt auch der letzte Wirt endlich begreift, es geht nur miteinander – nicht gegeneinander. In unser aller Interesse und im Interesse unserer Gesundheit und einem guten Lebensgefühl in der Hattinger Altstadt.

2 Kommentare zu "KOMMENTAR: GELD VERDIENEN IST NICHT ALLES – AUCH NICHT IN DER GASTRONOMIE"

  1. Christian Hoyer | 23. August 2020 um 11:48 |

    Für Mitarbeiter ohne Kundenkontakt (zb. Küche) ist kein Mund- und Nasenschutz vorgeschrieben.

  2. Dr. Anja Pielorz | 24. August 2020 um 10:06 |

    Verpflichtend ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in NRW nicht vorgeschrieben. Aber: die DEHOGA Niedersachsen beispielsweise empfiehlt: Mindestabstand einhalten oder Mund- und Nasenschutz/Plexiglasvisier tragen, ggf. Arbeitsplätze kennzeichnen.
    Ich finde das, ehrlich gesagt, ganz sinnvoll. Ist ja jetzt nicht wirklich der schöne Gedanke, wenn jemand bei der Zubereitung von meinem Essen ohne Schutzvorkehrung in den Salat hustet.

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