FLUG IN DIE FREIHEIT

Ein Uhu auf dem Weg in die Freiheit (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Eine Wiese im Felderbachtal. Thorsten Kestner schleppt eine große geschlossene Kiste auf die Wiese. Vorsichtig öffnet er sie und nimmt den Inhalt heraus – es ist ein gut einjähriger Uhu mit einer beachtlichen Flügelspannweite von 1,70 Metern. Das Tier hatte eine Fraktur an der Handwurzel und lebte rund sieben Wochen in der Paasmühle, der Pflegestation für Eulen, Greif- und Wasservögel. Jetzt geht es für ihn zurück in die Freiheit – passend zum Welttierschutztag, einem internationalen Aktionstag, der jährlich am 4. Oktober begangen wird.

Uhu-Krallen sind größer als die Klauen eines Leopards
(Foto RuhrkanalNEWS)

„Wir mussten das Tier nicht operieren, aber er bekam einen Verband, der recht häufig gewechselt werden musste. Der Uhu wurde verletzt gefunden und in die Paasmühle gebracht. Wir haben ihn untersucht, er wurde geröntgt und mit dem Verband versorgt. Und selbstverständlich von einer Physiotherapeutin auch etwas durchbewegt, damit er jetzt auch wieder fliegen kann“, erzählt Lars Weiser, der seit fünf Jahren ehrenamtlich in der Paasmühle mitarbeitet. So wie viele andere auch. Auf rund 15 000 Quadratmetern pflegt der 2011 gegründete Verein weit mehr als 1000 Tiere pro Jahr. Er ist erster Ansprechpartner für Feuerwehr, Polizei, Tierheime und Tierärzte im gesamten Ruhrgebiet und darüber hinaus, wenn es um die fachgerechte Betreuung von verletzten Vögeln geht. „Es lohnt sich für die Tierärzte oder Kliniken oft nicht, schwer verletzte Wildvögel zu pflegen“, sagt Architekt Thorsten Kestner, der seit mehr als dreißig Jahren schon Zeit, Leidenschaft und Geld für die Wildvögel aufbringt und die Paasmühle aufbaute. Für die dort arbeitenden Ehrenamtler spielt nur die Liebe zu den Tieren eine Rolle.

Thorsten Kestner zeigt dem Uhu wo es lang geht… (Foto: RuhrkanalNEWS)

Bevor der Uhu wieder ausgewildert werden konnte, lebte er in den letzten Wochen in einer Flugvoliere in der Paasmühle. Dort wurde er aufgepäppelt. „Ein Uhu kann in freier Wildbahn bis zu 35 Jahre alt werden. Er ist die größte Eule unserer Region. Wir setzen ihn nicht in unmittelbarer Nähe zur Paasmühle aus, sondern nutzen eine Wiese im Felderbachtal. Sollte er doch noch nicht richtig fliegen können, kann man ihn auf der Wiese leichter wieder einfangen“, erklärt Thorsten Kestner. Wenn er aber fliegt, dann sucht sich der Uhu sein Revier und beginnt später auch mit dem Revierruf.

Man bleibt nicht immer verschont…

Kurz vor dem Start (Foto: RuhrkanalNEWS)

Doch zunächst einmal sitzt unser Uhu noch in der dunklen Kiste. Schließlich weiß er ja nicht, dass es für ihn ein großer Tag ist. Also hat er schon etwas Stress – schließlich musste er für den Transport ja auch aus der Voliere heraus eingefangen werden und in eine dunkle Kiste gesteckt werden. Das dies alles zu seinem Besten geschieht, nun, das kann der Uhu ja nicht wissen. Also, den Kistendeckel auf, den Uhu gepackt, ab in die Kiste und los geht es mit dem Auto. Auch beim Einfangen gilt: Erfahrung ist alles – man bleibt aber nicht immer von Kratzern verschont. Dementsprechend ist Thorsten Kestner genauso „gezeichnet“ wie seine Helfer. „Ja, damit muss man rechnen und aufpassen. Ganz verhindern kann man das nicht immer.“ Diesmal schon. Vielleicht spürt der Uhu ja doch, dass man es gut mit ihm meint. Auf der Wiese angekommen und aus der Transportkiste befreit, lässt er sich nicht lange bitten – hebt ab und fliegt in den nächstgelegenen Baum. Dort wird er jetzt etwas sitzen bleiben – Zeit, sich zu sammeln. Die helfenden Menschen, Thorsten Kestner und Lars Weiser, haben genug gesehen. Sie wissen: Dem Tier geht es gut. Das Team von RuhrkanalNEWS ist auch versorgt – genug Material für Film, Foto und Text. Wer kann schon von sich sagen, die Auswilderung eines Uhus mit der Kamera begleitet zu haben…

Flug in die Freiheit (RuhrkanlNEWS)

Für Thorsten Kestner ist das natürlich alles Routine. Und trotzdem – wenn der Bubo bubo (so der Gattungsname des Uhus) sich in die Lüfte erhebt, dann ist das immer noch ein erhabener Anblick der Freiheit. Auch und immer wieder für Thorsten Kestner.

Fotografen sind herzlich willkommen

Übrigens: Tierfotografie ohne Gitter ist für viele (Hobby)Fotografen ein besonderes Highlight. Die Paasmühle bietet nach Terminrücksprache die Möglichkeit, Eulen, Greif- und Wasservögel zu shooten. Dies gilt selbstverständlich nur für bereits wieder gesunde Tiere, die kurz vor der Auswilderung stehen, oder für die Dauergäste.

Kontakt: Paasmühle e.V., Thorsten Kestner, Paasstraße 107, 45527 Hattingen; Telefon 02324/72849; E-Mail: info@paasmuehle.de

Fotostrecke Dr. Anja Pielorz

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