FLÜCHTLINGSUNTERKUNFT AUF O&K GELÄNDE

Hattingen- Der Rat hat beschlossen, was durch Entscheidungen vorheriger Ausschüsse bereits abzusehen war. Auf dem O&K Gelände wird eine Flüchtlingsunterkunft für bis zu 500 Menschen errichtet. „Ich habe mir die Nutzung anders vorgestellt, das habe ich bereits während des Wahlkampfes gesagt“, erklärt Bürgermeister Dirk Glaser. „Doch die Idee eines Quartiers in dem gewohnt, gelernt und gearbeitet wird ist momentan nicht zu realisieren.“ In den ersten Wochen des Jahres sind deutlich weniger Flüchtlinge nach Hattingen gekommen, als vor einem Jahr. Doch die Verwaltung geht davon aus, dass sich das wieder ändern wird. „Im Augenblick nehmen die Großstädte NRWs mehr Flüchtlinge auf, das liegt aber nur daran, dass sie in der Vergangenheit weniger Flüchtlinge zugeteilt bekommen haben, als eigentlich vorgeschrieben“, so Glaser. „Alle Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises bereiten sich momentan darauf vor, wieder mehr Flüchtlinge aufnehmen zu müssen.“

Heinz-Theo-Haske (CDU) hielt ein flammendes Plädoyer für die Flüchtlinge (Foto: CDU Hattingen)

Heinz-Theo-Haske (CDU) hielt ein flammendes Plädoyer für die Flüchtlinge (Foto: CDU Hattingen)

In einer langen Diskussion wird im Rat über das Für und Wider einer Großunterkunft geredet. „Eine große Unterkunft bringt große Probleme“, ist sich Gerhard Nörenberg (CDU) sicher. „Außerdem verstehe ich nicht, warum die erst vor einem Jahr renovierte Unterkunft in der Werkstraße auf einmal nicht mehr angemessen sein soll.“ Er schildert Sorgen und Ängste der Menschen, die ihm regelmäßig zugetragen werden. So lange, bis seinem Fraktionsvize Theo Haske der Kragen platzt. In einem emotionalen Plädoyer widerspricht er Vorurteilen gegen Flüchtlinge. „Wir haben in Niederwenigern 100 Flüchtlinge aufgenommen. Das sind alles anständige Menschen mit denen es keine nennenswerten Probleme gibt. Man muss sich nur um die Menschen kümmern und darf sie in der Anfangsphase nicht alleine lassen“, so der 76-jährige. Und er lässt sich dabei auch nicht von einer, für die Besucher akustisch nicht zu verstehenden, Zwischenbemerkung vom Fraktionsvorsitzenden Nörenberg bremsen.

Der Bürgermeister gibt in diesem Zusammenhang bekannt, dass nach Auskunft der Polizei und des Ordnungsamtes keine erhöhte Zahl der Straftaten an den Flüchtlingsunterkünften erfasst worden seien. Das sei auch bei der Tags zuvor abgehaltenen Sicherheitskonferenz des Kreises so bestätigt worden. Dort wurde dargelegt, dass, bezogen auf die Anzahl der Bewohner, die Zahl der Straftaten sogar unten denen liegt, als statistisch zu erwarten wäre. Polizeieinsätze gibt es allerdings, diese betreffen aber meistens Streitigkeiten unter den Bewohnern.

In diesen Gebäuden werden demnächst Flüchtlinge wohnen (Foto: Stadt Hattingen)

In diesen Gebäuden werden demnächst Flüchtlinge wohnen (Foto: Stadt Hattingen)

„Wir dürfen nicht vergessen, das dort Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenleben, die sich aufgrund der Sprachbarriere untereinander oft nicht verstehen“ sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Frank Staaken. „In den neunziger Jahren haben wir ähnlich viele Flüchtlinge zentral untergebracht. Auch da gab es rückblickend keine nennenswerten Probleme.“ Dem Vorschlag der CDU, die Flüchtlinge in den Ortsteilen unterzubringen und dafür bereits vorhandene städtische Immobilien zu nutzen, treten SPD und Grüne entgegen. Von dort könnten die Menschen nicht oder nur schwer am öffentlichen Leben teilnehmen, schließlich hätten sie keine Busfahrkarten. Selbst der tägliche Einkauf sei so nur schwer zu erledigen.

Am Ende stimmt der Rat mit Mehrheit für die Errichtung der Unterkunft auf dem O&K-Gelände. Dazu wird die Stadt das Gelände und die Gebäude für zunächst fünf Jahre mieten. Bei der Abstimmung weichen Theo Haske und Nicolas Baumeister von der CDU-Linie ab und stimmen ebenfalls für die zentrale Unterkunft.

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