DEUTSCH LERNEN IN CORONA-ZEITEN

Pinar Gökgül (l.) und Sinem Güven (r.) im Caritas-Kurs „Fit in Deutsch“ (Foto: Claudia Kook)

Schwelm- Grundschüler mit Zuwanderungshintergrund lernen und üben spielerisch an der Jahnstraße in Schwelm in einem Ferienintensiv-Training der Caritas Ennepe-Ruhr die deutsche Sprache.

 Der, die oder das Mund? Der, die oder das Nase? Pinar Gökgül hält bunte Karten in ihren Händen und fragt nach den passenden Artikeln zu Mund, Nase, Augen, Ohren und vielem mehr. Max, Xristian, Candy, Rndekhan und ihre Mitschüler aus verschiedenen ersten bis vierten Klassen der katholischen Grundschule an der Jahnstraße in Schwelm zeigen fleißig auf. Heute haben die Sprachlernbegleiterinnen Pinar Gökgül (26) und Sinem Güven (24) für die insgesamt 15 Kinder spielerische Fragen zu Artikeln mitgebracht.

In den vergangenen Tagen haben sie zum Beispiel Verben konjugiert oder den richtigen Satzbau geübt. Auch Wortschatzspiele zum Thema Tiere oder Einkaufen gehören zum zweiwöchigen Osterferien-Programm „Fit in Deutsch“, das die Caritas Ennepe-Ruhr zum ersten Mal für neu zugewanderte Grundschüler in Schwelm anbietet. „Wir haben uns beispielsweise damit beschäftigt, wie man etwas im Geschäft bestellt oder sich an der Kasse verabschiedet. Nachdem wir den Satzbau an Sätzen wie ,Ich möchte eine Kugel Schokoeis haben‘ geübt haben, sind wir dann Eis essen gegangen und jedes der Kinder hat ein Eis bestellt. Wir integrieren damit das Lernen in den Alltag und die Kinder werden selbstständig“, berichtet Pinar Gökgül, die Geschichte und Deutsch für den Masterabschluss Lehramt studiert.

Sprachkompetenz ist ein wichtiger Aspekt der Integration

Von dem neuen Caritas-Kinderkurs haben sie und Sinem Güven, die an einer Gesamtschule in Witten als Lehrerin Deutsch und Mathe unterrichtet, von Freunden gehört. „Ich hatte vorher schon mit Caritas-Projekten zu tun und habe schon viel mit Flüchtlingen gearbeitet“, erzählt Sinem Güven. Sie nickt, als ihre Kollegin Pinar Gökgül erzählt, warum ihr die Mitarbeit an diesem Ferienangebot wichtig ist: „Mir ist es ein Anliegen, diese Kinder in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Auch, weil ich selbst einen Migrationshintergrund habe.“

Sprachkompetenz ist ein wichtiger Aspekt der Integration und ist Voraussetzung für die Teilhabe an vielen gesellschaftlichen Bereichen. Bei der Caritas Ennepe-Ruhr gibt es deshalb nicht zuletzt Programme wie das der Sprachpaten, für das der Verband gemeinsam mit der Propstei St. Marien 2019 den Integrationspreis der Stadt Schwelm erhielt.

Das vom Land NRW geförderte Ferienintensiv-Training für neu zugewanderte Schüler sei gerade in der Corona-Pandemie wichtiger denn je, sagen Caritas-Direktor Dominik Spanke und die Caritas-Ehrenamts- und Migrationskoordinatorin Zolzaya Bazarsad. „Die Lockdowns der vergangenen Monate und der Distanzunterricht haben dazu geführt, dass viele neu zugewanderte Kinder oder Kinder mit Migrationshintergrund wenig oder keinen Kontakt zur deutschen Sprache hatten. Denn: Zuhause wird die Muttersprache der Eltern gesprochen. Ihre Freunde durften sie nicht treffen.“ Mit „Fit in Deutsch“ wolle man verhindern, dass sich „Sprachlücken auf die Bildungsbiographie der Kinder niederschlagen“.

Die Mädchen und Jungen im aktuellen Kurs stammen zum Beispiel aus Polen, Russland, dem Kosovo, Syrien und Vietnam. Zolzaya Bazarsad würde sich freuen, für sie und andere Schüler ein Sprachförderungs-Angebot mit diesem oder ähnlichem Konzept „auch in den nächsten Ferien anbieten zu können“. Selbstverständlich weiterhin unter allen geltenden Corona-Sicherheitsvorkehrungen. Die Kinder lernen auf Abstand und mit Maske in einer Gruppengröße wie sie den derzeit praktizierten halben Klassen an Grundschulen entspricht. Außerdem wurden die Mädchen und Jungen – wie auch ihre Lehrerinnen – einmal in der Woche getestet.

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