DER BÜRGERMEISTER IM INTERVIEW

Dirk Glaser in seinem Büro (Foto: Pielorz)

Hattingen- „Wer in diesen Tagen die örtlichen Medien verfolgt, könnte den Eindruck kriegen, unsere Stadtverwaltung sei eine Einrichtung zur Verhinderung von guten Ideen, zur Blockierung von sportlichen Aktivitäten oder zur Ausbeutung von Bürgerinnen und Bürgern. All dies ist selbstverständlich nicht der Fall“. Mit diesen Worten begann Bürgermeister Dirk Glaser seine Etatrede und versicherte später in persönlichen Gesprächen, er habe damit keine Medienschelte betreiben wollen, sondern sich ausschließlich auf die Inhalte bezogen, die in der Öffentlichkeit diskutiert würden. RuhrkanalNEWS fragte konkreter beim Bürgermeister nach.

RuhrkanalNEWS : Die Verwaltungsentscheidung zur Schließung des Schwimmbeckens in Niederwenigern, die fehlende einheitliche Beschilderung in der Innenstadt, die Stagnation in den Planungen zum Krämersdorf, die Querelen um den Sponsor beim Neujahrsempfang, die stark gestiegenen Gebühren für die Nutzung der Aufbahrungsräume und der Trauerhalle auf den städtischen Friedhöfen, die Diskussion um die DISLIKE-Kunst am Bügeleisenhaus – es gibt viele kleine und große Baustellen.

GLASER: Ja, beim Schwimmbad in Niederwenigern haben wir einen Fehler gemacht – übrigens als Entscheidung des gesamten Verwaltungsvorstandes einschließlich meiner Person. Uns lagen schlicht nicht die korrekten Zahlen vor. Wir sind jetzt in guten Gesprächen mit der Diakonie und werden ein gutes Ergebnis bekommen. Zu den anderen Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert worden sind: Es wird einen Neujahrsempfang geben und wir sind auch beim Thema Krämersdorf weitergekommen. Die leerstehenden Gebäude haben bereits einen neuen Eigentümer. Außerdem hoffen wir verschiedene Ideen zur Belebung des Platzes bündeln zu können. Ich werde mich um die Schenkung des DISLIKE von Stephan Marienfeld kümmern, denn natürlich möchte ich als Bürgermeister dieser Stadt nicht auf ein Kunstwerk eines international bekannten Hattingers verzichten. Die Verwaltung hat ebenso den Auftrag bekommen, bei den Gebühren für die Abschiedsräume bei den städtischen Friedhöfen noch einmal nachzufragen. Konkret geht es darum, ob die Umstellung einer Pauschale auf den Tagessatz tatsächlich zu einer Mehrbelastung führt, weil die Räume länger als drei oder vier Tage genutzt werden müssen und wie viele Fälle dies betrifft. Schließlich sind wir auch in Sachen mangelnder Beschilderung unterwegs. Hier mussten zunächst die Standorte festgelegt werden. Dies ist geschehen und die Ausschreibung wurde jetzt auf den Weg gebracht. Es ist geplant, das Projekt spätestens zum Hansetag 2020 umzusetzen.

RuhrkanalNEWS : Sie haben bereits mehrfach gesagt, Sie lassen sich in der Entscheidung, noch einmal für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, nicht treiben. Drei Parteien – CDU, FDP und Grüne – haben Sie als parteilosen Kandidaten bei der letzten Kommunalwahl unterstützt. Die Grünen haben nun mit Frank Staacken einen eigenen Kandidaten und unterstützen Sie nicht mehr. Gab es zu wenig grüne Politik vom Bürgermeister Glaser?

GLASER: Wir beschäftigen uns in der Dezember-Ratssitzung mit dem Hattinger Klimakonzept. Ein kommunales Maßnahmenprogramm, das von der Klimaschutz-AG begleitet von einem politischen Beirat und auch dem Jugendparlament erarbeitet wurde, steht zur Beratung und Verabschiedung an. Mitgeholfen haben auch die AVU, die Stadtwerke Hattingen und die EN-Agentur. Im Haushalt haben wir 100.000 Euro eingestellt für Klimaschutzbäume. Hinzu kommen weitere Projekte wie die Bienen am Rathausturm oder die Wiese vor dem Rathaus als ökologisches Projekt. Wir haben mit Dienstfahrrädern und E-Mobilität weitere Möglichkeiten im Verkehrswesen geschaffen, werden an der Stadtmauer andere Bepflanzungen vornehmen – also, ich finde, wir sind da auf einem guten ökologischen Weg.

RuhrkanalNEWS : Bei der Kanalentscheidung haben Sie gegen die Stimmen der CDU für die Übertragung der Kanalnutzungsrechte gestimmt. Wie bewerten Sie dies im Hinblick auf die politische Unterstützung?

GLASER: Als parteiloser Bürgermeister habe ich mich stets von der sachlichen Entscheidung leiten lassen und mit wechselnden Mehrheiten gearbeitet. Ich halte das nach wie vor für richtig. Ich glaube, ich habe immer die Möglichkeiten für Gespräche geboten und werde dies auch nach wie vor tun. Wenn man mich zu Gesprächen einlädt, stehe ich immer als Gesprächspartner zur Verfügung. Viele Entscheidungen haben wir auch parteiübergreifend beschlossen und uns dabei leiten lassen, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger zu entscheiden. Das wünsche ich mir selbstverständlich auch für die Zukunft.

RuhrkanalNEWS : Herr Bürgermeister, was läuft gut in dieser Stadt?

GLASER: Eine ganze Menge. Seit Anfang des Jahres betreiben wir das Rechnungsprüfungsamt in Kooperation mit der Stadt Gevelsberg. Das klappt gut und läuft reibungslos und wir lernen voneinander. Mit der Stadt Bochum haben wir vereinbart, dass unsere Personalwirtschaft zum großen Teil von den Kollegen jenseits der Ruhr erledigt wird. Wir sparen Personalaufwand. Unsere Nachbarn aus Witten helfen uns bei der Einführung der E-Akte, die in einigen Fachbereichen jetzt schon Wirklichkeit geworden ist. Das Archiv der Stadt Sprockhövel befindet sich in Räumen der Stadt Hattingen und auch die Zusammenarbeit mit Witten, Wetter und Herdecke, mit der wir gemeinsam die Internationale Gartenausstellung planen und die Flusslandschaft Mittleres Ruhrtal vorantreiben wollen, klappt sehr gut. Die Übertragung der Kanalnutzungsrechte an den Ruhrverband ist für mich ein ganz wichtiger Schritt. Er wird uns in die Lage versetzen, aus eigener Kraft eine Perspektive mit sehr viel weniger Schulden und mehr Spielraum für das kommunalpolitische Handeln zu erarbeiten. Das Kanalprojekt macht uns nicht reich und löst auch nicht alle Probleme, aber es gibt uns wieder etwas Luft zum Atmen. Denn es erlaubt uns, einen bedeutenden Teil unserer Kredite zu tilgen. Vergessen dürfen wir auch nicht die Jugendarbeit mit vielen Aktionen wie „Bürgermeister für einen Tag“ oder „Hattingen hat Haltung“. Und das Förderprogramm „Demokratie leben“ hilft uns in politisch unruhigen Zeiten, das Demokratieverständnis der Generationen zu fördern.

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