DENN DER GÖTTER ENDE DÄMMERT NUN

Steven Sloane und Norman Faber freuen sich auf die Ringe (Foto: Pielorz)

Bochum/Hattingen- Mit der Saison 2020/21 beendet Steven Sloane seine Arbeit als Generalmusikdirektor der Stadt Bochum und Intendant des Anneliese Brost Musikforum Ruhr. Er gilt als Gallionsfigur in der Musikszene und war ein Vorkämpfer für das 2016 eröffnete Anneliese Brost Musikforum Ruhr, mit dem die Bochumer Symphoniker erstmals eine eigene Spielstätte erhielten. Das von ihm geleitete Orchester wurde mehrfach ausgezeichnet. Sloane verabschiedet sich mit einem Paukenschlag, mit dem „Mount Everest“ der Inszenierungen: Unter seiner Leitung wird der „Bochumer Ring“ aufgeführt. Dahinter verbergen sich die vier Opern von Richard Wagner „Der Ring des Nibelungen“. Angedockt für die jüngeren Besucher wird der „Kleine Bochumer Ring“. Mit im Boot sitzt auch bei diesem Projekt der Musikliebhaber und engagierte Gönner des Musikforums, der Bochumer Unternehmer Norman Faber. 

Wagners Ring in Bochum

Trailer

Wagner – das ist die ganz große Nummer. Schon immer hat Steven Sloane während seiner Amtszeit Wagner-Häppchen serviert. Aber das komplette Menü in Form des Ringes des Nibelungen gab es im Musikforum noch nie. Am 25. September geht es mit „Rheingold“ los. Das sind nur drei Stunden. Es folgen am 23. Januar 2021 „Die Walküre“, am 27. März 2021 „Siegfried“ und schließlich am 22. Mai 2021 die „Götterdämmerung“ – jeweils fünf bis sechs Stunden Musikgenuss zum Aus- und Innehalten. Insgesamt und ohne Pause 16 Stunden. Wagner entwarf das Mammutwerk als neue Form einer romantischen Oper, die als Gesamtkunstwerk Text, Musik, Schauspiel, Tanz, Bühnenbild, Kostüm und Effekte verband. Ein künstlerischer Ansatz, der die Welt der Musik und Oper revolutionierte und bis heute nachhaltige Wirkung zeigt. Die Uraufführung fand vom 13. bis zum 17. August 1876 in dem eigens für Wagners Werke erbauten Bayreuther Festspielhaus statt. In Bochum nun ist erneut etwas Besonderes, Einzigartiges in Planung. Sloane möchte sein Wunschprojekt dabei nicht nur als musikalische Herausforderung verstanden wissen, sondern zusammen mit dem Regisseur Keith Warner auch als visualisiertes Erlebnis. 

Der Konzertsaal (Foto: Pielorz)

Die Handlung des „Ring“ ist weit verzweigt. Sie geht über mehrere Generationen, über dreißig tragende Figuren spielen mit: Zu Beginn raubt der Nibelung Alberich dem Rhein das Rheingold, das die Macht hat, alles zu beherrschen, und schmiedet daraus einen Ring. Dafür zahlt er einen hohen Preis: Er muss fortan der Liebe entsagen. Göttervater Wotan hat ein anderes Problem. Er hat sich von zwei Riesen eine Burg bauen lassen und wollte sie mit der Göttin Freia bezahlen. Aber er überlegt es sich anders und will sie nun mit Alberichs Ring entlohnen. Also raubt Wotan Alberich den Ring. Der verflucht das Schmuckstück, einer der Riesen erschlägt seinen Bruder und der flüchtet mit dem Ring. Jahre später kommt Siegfried ins Spiel, der von Alberichs Bruder Mime großgezogen wird. Siegfried weiß nicht, dass er zu Wotans Plan gehört, die Welt vom Fluch des Ringes zu erlösen. Er gelangt in den Besitz des Ringes und verliebt sich in Brünnhilde, überlässt ihr den Ring als Liebespfand. Hagen, der Sohn Alberichs, flößt Siegfried einen Zaubertrank ein, worauf dieser Brünnhilde vergisst und sich in Gutrune verliebt. Siegfried nimmt Brünnhilde den Ring wieder ab, die Hagen aus Rache Siegfrieds verwundbare Stelle verrät. Hagen tötet Siegfried, der in seiner letzten Stunde wieder klarsieht und um seine Liebe zu Brünnhilde weiß. Brünnhilde lässt einen Scheiterhaufen für Siegfried errichten und stürzt sich zu ihm in die Flammen. Der Rhein tritt über seine Ufer und holt sich den Ring zurück. Der Fluch ist beendet durch Brünnhilds Liebe. Das Ende der Götter ist aber auch gekommen, denn die Flammen des Scheiterhaufens entzünden Walhall, den Wohnsitz der Götter. Eine neue, ungewisse Weltordnung bricht an. So in etwa muss man sich die 16 Stunden vorstellen. Es ist mächtig was los. 

Anneliese Brost Musikforum (Foto: Pielorz)

Selbstredend, dass bei diesem Spektakel die Besten der Besten auf der Bühne stehen sollen. Der Engländer Simon Neil beispielsweise oder mit Claudia Mahnke eine der bedeutendsten Mezzosopranistinnen. Von jeder Oper wird es nur eine einzige Aufführung geben. Dazu kommen und das mit mehreren Aufführungsterminen von Oktober 2020 bis Mai 2021 der „Kleine Bochumer Ring“. Jeweils einstündige Veranstaltungen für Menschen ab zehn Jahren. In Kooperation mit Partnern aus der Bochumer Kulturszene, beispielsweise Musikschule oder Figurentheaterkolleg, sollen so auch jüngere Zuschauer begeistert werden. 

Unterstützung von Norman Faber

Ermöglicht wird das Gigantenprojekt durch die Unterstützung von Norman Faber. Der Bochumer Unternehmer war maßgeblich an der Entstehung des Hauses beteiligt, kündigte er doch 2006 eine Anschubfinanzierung von fünf Millionen an. Steven Sloane ging damals sofort Klinkenputzen, denn eine von Fabers Bedingungen war das bürgerschaftliche Engagement in Form von weiteren zwei Millionen Euro Spenden. 2016 konnte der durchaus umstrittene Millionenbau für Kunst, Kultur und Musik Eröffnung feiern und entwickelte sich zu einem Markenzeichen für die Stadt Bochum. Entwickelt hat sich auch eine andauernde Beziehung von Faber zum Musikforum und zu Steven Sloane. „Für mich ist die Unterstützung dieses Projektes ein Dank an Steven Sloane. Wagner so auf diese Weise erleben zu dürfen und das nicht in Bayreuth, sondern in Bochum, ist für jeden Musikfreund eine wunderbare Nachricht. Die jüngeren Besucher werden durch Kooperationen eingebunden. Alle meine fünf Enkel sind regelmäßig hier im Haus zu Besuch“, erzählt Norman Faber, der das Projekt im deutlich sechsstelligen Bereich fördert. 

Steven Sloane wird übrigens neuer Musikdirektor des Jerusalm Symphony Orchestra, versichert aber sehr glaubhaft in der Pressekonferenz: „Ich bleibe für immer auch ein Ruhri.“ Karten für das monumentale Spektakel gibt es übrigens ab Mai/Juni – erst für die Abo-Besitzer, dann im freien Verkauf. 

Interview mit Steven Sloane
Interview mit Norman Faber


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