COVERBAND-TREFFEN IN HATTINGEN 2015

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Lena Zänger „Jazzpana“

Hattingen – Offiziell firmiert es unter „Altstadtfest“, doch in diesem Jahr stehen vor allem am Kirchplatz in erster Linie Coverbands auf der Bühne. Und die sind, wenn man den Samstag Abend zum Maßstab nimmt, auch noch schlecht. Ein angekündigter Mix aus „Ärzte“-Songs und „Die toten Hosen“- Klassikern ist schon nach Papierlage weit entfernt von überraschenden oder innovativen musikalischen Darbietungen. Die Auswahl der Songs ist erwartbar und wird zu 100% erfüllt. Doch dass ein Sänger auf der Hauptbühne des Hattinger Altstadtfestes derartig limitiert ist und dass seine Kollegen an den Instrumenten ein ums andere mal daneben liegen, ist die eigentliche, negative Überraschung. Am Freitag steht an gleicher Stelle ebenfalls schon eine Coverband auf der Sparkassen-Bühne. Doch hier ist die Auswahl der Lieder bunt gemischt und die Musiker verstehen ihr Handwerk. Aber dennoch, dass ein Altstadtfest, das mal als „Kulturfest“ gestartet ist, versucht ein ums andere mal mit Bands zu punkten die keine eigenen Stücke präsentieren, ist ärgerlich bis beschämend. Vor allem, wenn es sich um den „Headliner“ des Tages auf der Hauptbühne handelt.

Musikalische Juwelen im Krämersdorf – Pure Energie am Bunker

Foto Lutz

„Funkstelle Hattingen Mitte“

Dass es auch anders geht, zeigte die Auswahl auf der Bühne im Krämersdorf. Am Samstag stehen dort die Musiker der „Funkstelle Hattingen Mitte“ auf der Bühne. Zehn Menschen die ihr Handwerk verstehen und mit unerwarteten Arrangements immer wieder überraschen. Hier sind Profis am Werk die mitreißen und durch die Art ihrer Darbietung überzeugen. Dieser Truppe hätte die Hauptbühne gehört. Sie ist am Samstag der krönende Abschluss eines durchdachten Programms. Überhaupt ist die Bühne am Krämersdorf über weite Strecken die interessanteste des Altstadtfestes 2015. So viel vorausschauende Planung und Konsequenz wäre an den anderen Bühnen eigentlich ebenfalls zu erwarten gewesen.

Auch auf der Bühne am Bunker spielt mit „Jo Hartmann“ eine Band die überzeugt. Handgemachte Rockmusik, eigene Stücke und Energie die sofort von der Bühne aufs Publikum überspringt. Glücklich, wer sich für diesen Auftritt entscheidet und dafür die Altstadt verlässt, um zum Bunker zu gehen. Bands mit eigenem Profil und eigenen Stücken wünscht man sich öfter auf diesem Altstadtfest. Statt dessen spielt am Samstagabend auch hier eine Coverband. Dass die auch noch U2 kopiert, ist am jungen Zielpublikum der Bunkerbühne allerdings deutlich vorbeigeplant.

Gelungener Start

Inoffiziell beginnt das Altstadtfest bereits am Donnerstag. Da haben die Wirte der Emsche -rund um das Hattinger Bermudadreieck- einen Lkw zur Bühne gemacht. Davor treffen sich vor allem Anwohner, Freunde und natürlich die Stammgäst der Gastronomen. Ein munteres „meet and greet“ mit einer Mischung aus Straßen- und Nachbarschaftsfest. Hier wirkt alles etwas beschaulicher, improvisierter und spontaner. Für die meisten die hier sind, der beste Teil des Altstadtfestes.

Erhalten hat sich auch die Meile mit Händlern und Essenständen. Sie macht ebenfalls den Charme des Altstadtfestes aus. Dieser bunte Mix aus Kunst, Trödel und Imbissbuden in den engen Gassen der Altstadt passt wunderbar. Hier noch die von vielen vermissten Streetacts auf die Strecke schicken und dieser Teil des Festes wäre perfekt. Bei einem gelungenen Bühnenprogramm könnte das das berühmte Tüpfelchen auf dem i sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nur wegen der Verkaufsstände in einer malerischen Altstadt kommt auf jeden Fall niemand nach Hattingen.

Das Wetter spielt mit

Auch wenn das Wetter an allen drei Tagen im großen und ganzen perfekt ist: Die Altstadt bleibt vergleichsweise leer. Klar, direkt vor den Bühnen stehen Menschentrauben, hier durchzukommen ist vor allem abends schwer. Aber schon wenige Meter weiter ist die Schrittgeschwindigkeit wieder so hoch, wie an jedem beliebigen Samstag während der Geschäftszeiten. Ob das an der Auswahl der Bands liegt oder daran, dass es das erste Ferienwochenende ist und viele Menschen sich in den Urlaub verabschiedet haben, bleibt offen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Programmhefte im Vorfeld nur zögerlich verteilt wurden, um es diplomatisch auszudrücken. Auch Werbung in den Nachbarstädten war dünn, um nicht zu sagen, überhaupt nicht vorhanden.

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Toller Sonntagabend Act „Kuult“

Highlights sind erkennbar

Tagsüber jedenfalls stehen die bewährten Gruppen und Künstler auf den Bühnen, die den ursprünglichen Charakter eines Kulturfestes wenigstens jetzt erhalten. Ob die Bauchtanztruppe, die auf der Bühne am Krämersdorf für etwas Exotik sorgt oder natürlich am Sonntag die Chor-Matinee, die einen schönen, unterhaltsamen Überblick der Hattinger Chorszene bietet. Nachwuchstänzerinnen und Tänzer aller Altersklassen und auch die Lehrer-Bigband NRW zeigen, dass gerade Amateure viel zur Kulturszene beitragen. Hier wird spürbar, was mal den Charme des Hattinger Altstadtfestes ausmachte und was Menschen aus dem Umkreis in erfolgreicheren Jahren nach Hattingen lockte. Auch der Abschluss auf der Bühne am Kirchplatz ist ein Hammer. Mit „Kuult“ steht hier endlich ein Tages-Headliner, der mit eigenen Liedern überzeugt. Die Stimmung springt schnell über, der Kirchplatz tanzt. Und das ohne dass „Kuult“ auf Partykracher setzt, die sowieso jeder kennt. Die Band geht einen schwierigeren Weg, als die Bands an den Vorabenden. Hier wird endlich einer jungen, aufstrebenden und vor allem guten Band das nötige Forum gegeben. Vielleicht ist diese Band ja nicht der Abschluss des Altstadtfestes 2015, sondern der Auftakt zu einem mutigeren, durchdachteren und besseren Altstadtfest 2016. Wenn „Kuult“ dann wieder dabei ist, ist der Anfang für eine nötige Neuausrichtung des Altstadtfestes gemacht.

Mehr Filme zum Altstadtfest finden sie hier:  So war das Altstadtfest

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Let’s Dance bereicherte den Sonntag

„Das Wunder“ am Samstag Abend

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Zauberei im St. Georgs-Viertel

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Chormatinee am Sonntagvormittag

2 Kommentare zu "COVERBAND-TREFFEN IN HATTINGEN 2015"

  1. Rolf Kerkhoff | 30. Juni 2015 um 9:35 |

    Schlecht recherchiert: Es gibt kein Steinhagenviertel in Hattingen, wohl aber ein St.-Georgs-Viertel…

  2. Barteczko/Strohdiek | 30. Juni 2015 um 23:09 |

    Sorry, Fehler von uns, natürlich ist es das St. Georgs-Viertel. Danke für den Hinweis. Schon geändert.

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